Eine zweifelhafte Bespaßung

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Eine zweifelhafte Bespaßung

Eine zweifelhafte Bespaßung

Reinhard Baer

Sie musste sich dann wieder mit dem Hinterteil zu Big Jack drehen, damit er genau sehen konnte, wie die Sacksahne des Kerls aus ihrer malträtierten Spalte quoll und auf den Bühnenboden tropfte. Dann durften die beiden ihre Sachen zusammenraffen und die Bühne verlassen.

Big Jack schlug sich mit den flachen Händen erneut begeistert auf die Schenkel, wandte sich an uns und blickte uns mit seinen Schweinsäuglein beifallsheischend an. „Gut, oder …? Oder hätte ich lieber den Spaßmacher … oder die Frauen-Catcherinnen …?
„Nein, war gut“, presste Kris tapfer hervor.
„Ja, mal was anderes zum Frühstück“, sagte ich wahrheitsgemäß und wenig enthusiastisch.
„Super, dann gehen wir jetzt zurück und schauen uns eure Waren an.“
Ich fand den Fettsack schon seltsam. Er schien mir zwei Gesichter zu haben. Mal bedrohlich, frech und kalt, und dann heischte er – wie eben gerade – wie ein kleines Kind um unsere Zustimmung? Aber die Menschen an den Galgen, der üble Menschenhandel, das Schutzgeld, das er überall erpresste – Lucille hatte uns erzählt, dass er permanent etwa 20% ihrer Einnahmen forderte, das wäre der übliche Satz … das sprach eine eindeutige Sprache.

Kaum zurück in der Baracke in der ersten Schleuse, streckte er seine Wurstfinger nach den Waren aus und nahm zunächst die Medikamente in Augenschein. Schmerzmittel und Penicillin, beides hochwichtig für eine medizinische Grundversorgung seiner Männer. „Habt ihr auch Narkotika?“
„Nein, gerade nicht, aber ich denke, die würde ich auch beschaffen können … beim nächsten Mal.“ Damit signalisierte ich mein Einverständnis mit seinem Vorschlag einer längerfristigen Handelsbeziehung. Ich wollte auf keinen Fall wie ein Schwätzer rüberkommen.
Er wühlte sich durch das restliche Sortiment. Schaute sich das Titelbild jeden einzelnen Pornohefts an. Verweilte dabei besonders lange bei dem ‚Dänischen Western‘ aus der ‚backdoor-Reihe‘, auf dem eine knackige 50-Jährige auf allen Vieren ihr Bärenauge und das runzelige Arschloch gepflegt in die Kamera hielt, um dann sein Gesamturteil abzugeben: „Alles brauchbare Sachen. Ich sehe, du weißt, was im Outback fehlt. Was willst du haben?“
Ich nannte ihm die Gesamtsumme von 150 New Dollar, worauf er sagte – und es klang ziemlich bedrohlich –: „Ich könnte euch auch einfach töten lassen!“
Mir wurde heiß. „Ja, das könntest du, … aber tote Händler kommen nicht wieder.“
Die bedrohliche Stimmung löste sich so schnell auf, wie sie entstanden war, denn der fette Schmierlappen brach über die von mir vorgebrachte und nicht von der Hand zu weisende Tatsache in schallendes Gelächter aus. „Stimmt!“
Die Verhandlungen begannen und zum Schluss waren wir bei 105 New$. Er tat so, als ob das ein sehr guter Preis wäre und ich spielte letztendlich mit. In Wirklichkeit war der Netto-Erlös bei diesem Preis eher mäßig.
„Meine Männer geben nachher noch eine Einkaufsliste im Hotel ab. Ihr könnt dann wieder.“ Generös winkte er mit der feisten rechten Hand Richtung Ausgang. Seine beiden Hilfs-Schmierlappen Frettchen und Iltis gaben sofort die Eingangstür frei.
Ich wurde keck und drehte mich beim Rausgehen noch einmal um.
„Das heute war ein Einführungspreis.“ Beim nächsten Mal verlange ich die Marktpreise!“
Big Jack war verblüfft, glotzte mich mit offenem Mund aus seinen Schweinsäuglein an. „Überspann den Bogen nicht! … Raus!“, presste er hervor.

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