Selbst das Dritte Reich hat unsere Architektur schliesslich zum Vorbild genommen. Als ich in die Bibliothek zurückkam, hatte diese bereits geschlossen. Wir schließen über Mittag immer für eine Stunde, von 12:30 Uhr bis um 13:30 Uhr, um dann wieder von wissbegierigen oder wohl eher unter Prüfungsdruck stehenden Studentinnen und Studenten geflutet zu werden. Dann erstarrte ich. Ich hörte zwischen den Bücherregalen, auf denen schwer die griechische Mythologie lastete, ein leises, ein sehr leises Keuchen. Ich habe ein feines Gehör, müsst Ihr wissen, und ich gehöre nicht zu denen, die sich ihre Sinnesorgane mit permanent dudelnden Airpods zerstören.
Also ein leises Keuchen. Es war öfter mal so, dass ich meine Mittagspause auch auswärts verbrachte, oft gerade dann, wenn ich Papadopoulos, dem blinden Philosophen, Literatur vorbeibrachte. Seine Stadtvilla grenzte an einen wundervollen Park mit noch viel wundervolleren, sich der Sonne hingebenden Frauen. Dieses Mal aber war ich direkt an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Das wusste Anita aber nicht. Intuitiv verhielt ich mich ruhig, stellte meine Tasche hinter den Empfangstresen und schlich mich, wie ein Einbrecher am eigenen Arbeitsplatz, zu besagtem Bücherkorridor. Dann sah ich ihn, unseren Hauswart. Ein Kasten von einem Mann, der vier Kinder hatte, immer laut lachte und nicht nur in der Bibliothek, sondern auch in sämtlichen umliegenden Gebäuden zugange war, wenn es einen verstopften Ablauf zu reparieren oder eine für eine ältere Frau unerreichbare Glühlampe auszuwechseln gab. Brummig, aber freundlich, der Kerl. Kommen wir nun zum Punkt. Ich schlich mich in den benachbarten Korridor und hatte zwischen Buchrücken und verstaubten Seiten hindurch einen ungehinderten Blick auf das Geschehen. Simba, so hiess er tatsächlich, hatte sein enormes Gemächt entblösst, das Gemächt eines Pferdes. Anita kniete vor ihm, wie ein Schneewittchen, und sie kitzelte seinen Hoden.
Einfach... weggevögelt
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Einfach... weggevögelt
Die Geschichte entstand in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskollegen Janno von Anita Isiris. Welche Stellen der Phantasie und welche der Realität entstammen, muss jeder Leser für sich selbst herausfinden.
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