Das einsame Haus

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Das einsame Haus

Das einsame Haus

Yupag Chinasky

Sie hatte schöne, schlanke Arme und elegante Hände mit sorgsam manikürten Nägeln. Auch ihre Beine waren lang und wohlgeformt, die Füße mit dezent rosa lackierten Zehennägeln, steckten in einfachen, offenen Sandalen. Diese Frau sah gut aus, verdammt gut, keine Frage, besonders die braune Haut hatte es ihm angetan. Der breite Mund hatte einen leicht skeptischen Zug, und wenn sie lachte, sie lachte oft, zeigte sich eine Reihe perfekter, weißer Zähne. Die Nase war vielleicht ein wenig zu breit, mit einem kleinen, kaum wahrnehmbaren Querstrich, aus helleren und dunkleren Hautstellen. Das Schönste an ihr, neben der milchkaffeebraunen Haut, waren aber die Augen. Augen so dunkel und geheimnisvoll wie die Nacht. Augen, die ihn offen und direkt ansahen, in die sich ein etwas verlegenes Lächeln mischte, wenn sich ihre Blicke kreuzten. Einige dieser Einzelheiten nahm er erst im Laufe der nächsten Stunden deutlich wahr, aber eines war sicher, er war von dieser jungen Frau auf den ersten Blick angetan, sehr angetan. Mit leichtem Bedauern vermutete er natürlich, dass sie die Ehefrau seines Helfers sei. Was hat der Typ für ein Glück, so eine hübsche Frau, dachte er. Doch sein holpriges Kompliment, nachdem er in seinem kleinen Wörterbuch geblättert hatte: „tu esposa es muy bella“ wurde von beiden mit fröhlichem Lachen quittiert. Sie sei die Schwester, la hermana, nicht die Frau, no la esposa, erklärten beide fast gleichzeitig.

Dann saßen sie an dem wackeligen Tisch und tranken Bier, auch die junge Frau. Mit der Zeit kamen auch noch andere Mitglieder der Familie hinzu, wurden vorgestellt oder auch nicht, bekamen einen Schluck angeboten, verschwanden wieder in einem der anderen Räume oder verließen die Wohnung. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, ein dauerndes Reden und Lachen und Lärmen. Auch ein großer, schwarzer Hund gehörte zur Familie, der seltsamerweise Bianca hieß.

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