Der schwarze Hund Bianca beschnüffelte ihn und schlug mit freudig, wedelndem Schwanz an seine Beine. Der Bruder war nicht da, er war auf Arbeit. Sie selbst, erklärte sie, sei Lehrerin, profesora, an einer Grundschule, aber es waren gerade Ferien und deshalb habe sie frei. Doch das alles hörte er erst viel später, jetzt sagte sie nur, er solle in ihr Zimmer kommen, en mi casa, wie sie den Teil der Wohnung bezeichnete, der ihre Privatsphäre in dieser dicht bevölkerten Kommune darstellte. Es waren wenige Quadratmeter, die zum größten Teil von einem großen Bett mit schmiedeeisernem Gestell belegt waren, dazu eine schwere, dunkle Kommode, ein kleines Sofa und ein uralter Ventilator auf einem mächtigen, gusseisernen Fuß. Über dem Bett hing ein Wandteppich, der eine nordische Landschaft mit schneebedeckten Bergen, einem blauen See und grünen Fichten zeigte. Der Blick durch die klappbare Holzjalousie des einzigen Fensters führte auf einen kleinen, vollgestopften Innenhof, der durch eine mannshohe Mauer vom Nachbargrundstück getrennt war.
Sie setzten sich auf das Bett und aßen zu Mittag, Frühstücksfleisch, Mayonnaise, Käse, Brot, Oliven, dazu gab es einen viel zu süßen Saft und Bier, das leider noch nicht richtig kühl geworden war. Nach dem Essen gingen sie in diesen winzigen Hinterhof. Er war dreckig und unaufgeräumt. Eine Schar Hühner pickte im Staub herum und ein prächtiger Hahn, einer der, wie ihm die junge Frau erklärte, von ihrem Bruder für den Hahnenkampf eingesetzt wurde, jagte von Zeit zu Zeit eine Henne über den Hof und besprang sie. Danach krähte er triumphierend, die Henne schüttelte sich und fuhr fort, Körner zu suchen, so als ob gar nichts passiert sei. Das Treten durch den Hahn war die selbstverständlichste Sache im Leben einer Henne. An der Mauer waren Holzkisten aufeinandergestapelt und mit Maschendrahttüren versehen. Im Stroh lagen Kaninchen und mümmelten Salatblätter.
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