Eintauchen

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Paul Magallas

Es war sicher kein Kunstwerk. Aber wenn ich von der Galerie in der Ferienwohnung herunterstieg, musste ich unmittelbar an dem Bild vorbei. Vom Esstisch fiel mein Blick immer darauf. Es zeigte folgende Szene:
In einem Raum sitzen an einem Tisch ein Mann und eine Frau. Im Hintergrund ein großes Wandgemälde. Auf einem Tischchen links zwei brennende Kerzen, rechts eine Flasche –Sekt oder Champagner? Beide sieht man nur im Profil, die Frau eher von hinten. Der Mann im schwarzen Anzug trägt einen schwarzen Hut, die Hand hält einen Sekt-Kelch, vor ihm im Aschenbecher liegt eine brennende Zigarre. Die junge Frau umschließt mit beiden Händen ihr Glas. Ihre Halskette aus roten Perlen windet sich vor ihr auf der Tischplatte. Sie hat wunderschönes braunes Haar und ein fast kindliches Gesicht. Sie trägt ein sehr körperbetontes rotes Kleid. Ihre Rückenpartie zieht mich an von Anfang an: Das Kleid ist hinten ausgeschnitten bis zum unteren Rücken. Wunderbar helle Haut zeigt sich im Kontrast zum tiefroten Kleid. Dieses bringt ihr mir zugewandtes oder entgegengestrecktes Gesäß verlockend zur Geltung. Wann immer ich am Bild vorbeikam, gebe ich der Versuchung nach, sie genau dort zu berühren, ihr verstohlen über ihr Gesäß zu streichen.
Diese Szene macht mich an, so stark, dass ich mir vorstelle, diese Rückseite und alles an ihr zu berühren.
Wie fühlt sich die sichtbare Haut an? Wie wäre es, der so einladend ausgeschnittenen Partie zu folgen: auf der freien Hautfläche, von dort ausgehend an den Seiten unter’s Kleid zu schlüpfen, vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter. Auf Brusthöhe vielleicht so weit, dass ich ihre Brüste ertaste. Wie wäre es, nach unten, ab dem unteren Ende des Rücken-Dekolletés ins Kleid zu fahren und ihr Gesäß zu erforschen: Die vollen, so weiblichen Halbkugeln, das Tal dazwischen. Trägt sie etwas darunter? Auch zur Vorderseite zu wandern, um zu entdecken, was zwischen ihren Beinen pulsiert, sich waldig und feucht anfühlt.
Ich stelle mir vor, dass sie sich meine Annäherungsversuche gefallen lässt. Vielleicht schnurrt sie, weil es ihr selbst Lust macht. Vielleicht bewegt sie sich leicht, weil sie mir entgegenkommt. Ich träume, wie sie sich irgendwann zu mir umdreht. Zu so viel Weiblichkeit von hinten kommt jugendliche Schönheit von Angesicht zu Angesicht. Was für herrliche Brüste formen sich unter dem anliegenden Kleid! Braune Augen, die mich neugierig anschauen, denen ich ansehe, wie Lust in ihr erwacht. Meine Hände sind längst hemmungslos geworden: Keine verstohlene, flüchtige Berührungen mehr – ich greife zu und hinein, streiche auf und ab, drücke und knete. Nehme die Lippen dazu, um mich an ihr und mit ihr zu vergnügen. Die schon sichtbare Haut weckt die Lust, mehr, alles zu sehen.
Wir haben beide die Szene um uns völlig ausgeblendet. Nur noch wir beide: Die unbekannte Schöne im roten Kleid und ich. Aus der Betrachteten wird Realität aus Fleisch und Blut. Ich spüre und rieche sie. Aus dem Bild wird erotische Begegnung. Blicke, Einverständnis. Unsere Lippen suchen und finden sich. Meine Finger fahren durch ihr Haar. Wir drängen uns aneinander, drücken uns. In mir wächst die Lust, sie ganz aus ihrer verlockenden Verpackung zu befreien. Ich lege sie auf den Tisch. Ich vergrabe mein Gesicht zwischen ihren Beinen und verschaffe ihr dort alle Lust, derer ich fähig bin. Meine Hände suchen ihre Brüste, streicheln über Bauch und Gesäß. Wir verlieren uns in unserem Liebes-Spiel. Da gibt es keine Grenzen, kein Halten mehr. Wir werden eins: Spürbar, vernehmbar, wir seufzen und stöhnen, werden geil, erhitzen uns aneinander.
Nur gut, dass ich das Bild auf dem Handy habe. So kann ich immer und immer wieder darin eintauchen: In die dargestellte Szenerie, mit Haut und Haar in die unbekannte Frau mit dem roten Kleid …

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