Im Gegenzug mussten die beiden Jungs herhalten und Eleonora ihren Piephahn zeigen. Das Spiel wurde abrupt unterbrochen, als Eleonoras Mutter im Treppenhaus auftauchte und ihre Tochter zum Abendessen rief.
Vor allem Klausi würde es sein Leben lang nie mehr vergessen, Eleonoras Schlitzchen. Aber dazu später.
Die Jahre zogen ins Land, und irgendwann zog Eleonora mit ihrer Familie weg. Paolo und Klausi schenkten ihr beide eines ihrer Metall-Autos, das grüne und das silberne, und dann blickten sie dem Umzugswagen lange nach.
Auch die beiden Freunde wurden älter. Paolo ging auf ein anderes Gymnasium als Klausi, der eine Privatschule besuchte. Und doch blieben die beiden Jungs unzertrennlich. Beiden wohnte eine gewisse sympathische kriminelle Energie inne. Sympathisch in dem Sinne, dass sie nicht gerade danach trachteten, jemanden zu ermorden. Aber da war der Lausbubenstreich mit der Zündschnur, die sie ganz tief in den Auspuff eines giftgrünen Fiat Cinquecento gesteckt hatten. Als die Lunte brannte, rannten die beiden Schlingel, die immerhin bereits achtzehn Jahre alt waren, gerade noch rechtzeitig weg, bevor das süße kleine Auto mit einem lauten Knall explodierte.
Etwas später war da die Geschichte mit dem Kiosk. Es handelte sich um eine Art Tante Emma Kiosk. Man konnte nicht nur Zeitschriften, Kaugummis und Zigaretten kaufen. Die Kioskfrau schmierte auch Butterbrote, die sie mit einem sagenhaften Aufstrich versah. So sagenhaft, dass die Geschäftsmänner aus dem Quartier einen Zwischenstopp am Kiosk einlegten und nebst der Tageszeitung oder dem „Corriere della Sera“ auch ein leckeres Brötchen erwarben. Dann hatten Paolo und Klausi die Sexhefte entdeckt. Damals gab es, im Gegensatz zu heute, nicht bloss eine vertrocknete Ausgabe des Playboy, die sich verschämt zwischen einer Garten- und einer Kochzeitschrift versteckte.
Eleonora und der Lichtkegel
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Eleonora und der Lichtkegel
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