Dann wurden die Hefte erst einmal in einem Schuh-Schrank versteckt, der sich neben der Eingangstür befand, von der aus man über einen Korridor zu den Wohnungen gelangen konnte.
An den folgenden Abenden bildeten sich zeitweise kurze Schlangen vor Paolos Garage. Wie ein Lauffeuer hatte es sich herumgesprochen, dass es Hefte zu kaufen gab, Hefte, die keineswegs jugendfrei waren. Immer wieder hatte die gute Kioskfrau energisch den Kopf geschüttelt, wenn einer der Teenager mutig nach einer Men Only gefragt und dafür sein gesamtes Taschengeld zusammengekratzt hatte. Auch jetzt mussten die Jungs zusammenlegen. Die von Klausi und Paolo zusätzlich verlangten fünf D-Mark strapazierten das Taschengeld-Budget über alle Gebühr, und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber Paolo und Klausi, die ihre drei Lieblingshefte längst herausgeklaubt und in ihren Zimmern versteckt hatten, ließen es sich gut gehen. Beide füllten ihre Taschengeldkasse, leisteten sich einen neuen Fußball sowie neue Reifen für ihre Räder, und alles war gut.
Die Jahrzehnte zogen ins Land, und irgendwann einmal waren die beiden 1961 geborenen Freunde 65 Jahre alt. Das glückliche Vor-Internet-Zeitalter mit dem Lichtkegel, der Eleonoras Schlitzchen beschienen hatte, und dem lukrativen Kiosk-Einbruch, den sie als Teens vollzogen hatten, war nur noch ein blasser Erinnerungsschimmer. Klausi war Versicherungsbeamter geworden und hatte vom Gehalt ein ganzes Berufsleben lang seine Frau und die beiden Töchter unterhalten. Paolo war Dachdecker geworden und war seit einem heftigen Sturz auf den Kopf stark bewegungseingeschränkt.
Aber die Lust auf Frauen war den beiden Männern keineswegs vergangen, denn Lust auf Frauen vergeht niemals. Das Rauchen kann man sich abgewöhnen, den Alkohol auch.
Eleonora und der Lichtkegel
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Eleonora und der Lichtkegel
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