„Also, ich höre deine Version.“
„Es gibt hier nur eine Version und das ist die von Eleonore Tripani. Sie besagt erstens, dass ich zulassen muss, dass Waltraud seltene Bergblumen ausbringt auf dem Hang unterhalb der Terrasse. Sie besagt zweitens, ihr ist der Klee mit dem Titel „Medina und Mond“ aus dem Nachlass zu überlassen. Sollte Waltraud den Nachlassverwalter Dr. Schiefer überzeugen, eines der beiden Vermächtnisse sei nicht erfüllt, fällt das gesamte Erbe an eine Stiftung. Ich bin darauf angewiesen, dass Waltraud diese Vermächtnisse annimmt – sonst bin ich nicht nur den Klee, sondern auch dieses nette Hüttchen hier los. Das könnt ihr jetzt glauben oder nicht, aber bald erscheint dieses Wiesel mit Hütchen und prüft, was das Zeug hält, um mir daran flicken zu können.“
Bea schwieg einen Moment. Dann lächelte sie Waltraud an. „Das ist toll. Leonore hat an dich gedacht. Das ist doch wie Weihnachten und Ostern und Pfingsten zusammen.“
Doch dann stockte sie, denn Waltraud sah sie ernst an.
„Was hast Du? Ein Mädchen, das einen Klee geschenkt bekommt, sollte eine Runde durchs Zimmer tanzen,“ sagte Bea.
„Und eine Runde ausgeben,“ fügte Ben hinzu.
„Genau! Und zwei Runden ausgeben,“ pflichtete Bea Ben bei.
„Genau,“ echote Ben. „Einen Klee zu bekommen ist oberfein. Ich habe mich erkundigt. Das Bild ist unter Brüdern am Kunstmarkt locker ein Vermögen wert. Versteht Ihr, ich spreche nicht von der Portokasse, sondern von einem Vermögen.“
„Ich möchte das Bild trotzdem nicht annehmen,“ sagte Waltraud.
Benn riss die Augen auf. „Aber liebes Mädchen, warum denn nicht? Das bringt mich in Probleme. Wenn Du mir nicht bestätigst, dass Du das Vermächtnis annimmst, geht alles an – wie gesagt – eine gemeinnützige Stiftung.“
„Ihr versteht nicht. Ich kann mir die Annahme nicht leisten. Eleonore und ich waren nicht verwandt.
Eleonores Vermächtnis
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