“ Bea sah mit gerunzelter Stirn Waltraud an. „Wie schade, ich hätte dir einen echten Klee gegönnt.“
Waltraud hob kurz die Schultern und ließ sie wieder fallen: „Was soll’s. Natürlich wäre ein echter Klee toll gewesen. Aber hier geht es um das Vermächtnis von Eleonore, die mir etwas Gutes tun wollte. Das allein zählt.“
„Halt,“ nicht so voreilig, schritt Ben ein. „Ihr habt mich nicht verstanden.“
„Wieso?“
„Dem Testament lag ein versiegeltes Schreiben bei, das nur vom Erben zu öffnen ist. Darin schreibt Eleonore, dass es sich bei dem Zertifikat um eine Fälschung handelt. Das Bild dagegen sei echt.“
„Versteh‘ ich nicht. Du willst sagen, dass das Gutachten des Sachverständigen eine Fälschung ist. Wer macht denn so etwas?“
Ben runzelte die Stirn: „Ein Fälscher natürlich. Leonore dachte vermutlich, dass Du die Kosten für die Annahme des Vermächtnisses nicht stemmen könntest, ohne den Klee zu verkaufen, was ihren Wunsch konterkariert hätte. Sie hat bei jemandem diese Fälschung eines Gutachtens in Auftrag gegeben. Auf diese Weise wurde aus dem echten Klee eine Replik im Wert von einigen hundert Euro.“
„O.K., aber kommt das nicht raus? Wie soll das funktionieren?“ Waltraud sah zweifelnd in die Runde. „Außerdem wäre der Ruf dieses Gutachters ruiniert.“
„Um das zu verstehen, muss man auf die Geschichte des Bildes schauen. Es war nie auf dem Kunstmarkt. Es war nie als Leihgabe in einem Museum oder in einer Ausstellung. Kurz gesagt, es existiert für die Fachwelt nicht. Und wenn Du es dabei belassen kannst, hast Du nichts zu befürchten. Du beziehst dich auf das Gutachten und sparst dir die Erbschaftssteuer. Was den Gutachter betrifft, handelt es sich da um einen Herrn, der seit fast 21 Jahren verstorben ist. Wenn die Sache nicht auffliegt, bleibt seine gutachterliche Weste fleckenlos.
Eleonores Vermächtnis
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Eleonores Vermächtnis
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