Wohl kaum, denn plötzlich hatte er ihr seine Armbanduhr mit einer Menge Zeigern unter die Nase gehalten, sich umgedreht und war breitbeinig im Haus verschwunden.
Sie war mit sich zufrieden gewesen, auch wenn sie um elf Minuten seine Vorgabe für die Redezeit überzogen hatte. Kopfschüttelnd hatte sie ihr Rad bestiegen und war davongeschwebt, während sie an einem Urteil über Ben Humphrey bastelte, das hart ausfiel, um später, als sie zu Hause war und bei einem Gläschen Roten alles nochmals bedachte, stetig abgemildert zu werden, bis es fast ganz verschwunden war, ohne, dass sie hätte sagen können, warum.
Als er sie in der nächsten Woche unangemeldet in ihrer Berghütte aufsuchte, badete sie gerade, als der Tür-Gong wummerte. Später erkannte sie ihn auf der Aufnahme der Kamera, wie er lächelnd herangeschlendert kam, um dann mit hochgezogenen Schultern davonzutapsen. Was - zum Teufel - hatte das Tier von ihr gewollt?
Aufgeklärt hatte sie das nie und auch jetzt wollte sie nicht an ihn, sondern lieber an Eleonore denken. Sie war eine sehr lebendige Frau mit Format gewesen, hochgewachsen, mit strahlenden Augen, elastischem Gang und einem endzündlichen Temperament. Nichts hatte auf ihren nahenden Tod hingedeutet.
Bei dem Gedanken an Eleonore seufzte Waltraud, während sie an der Hüttenwand entlang schlich, bis sie sich von einem der Fenster Einblick ins Innere der Hütte versprach. Sollte sie weitermachen und versuchen, herauszufinden, wer gerufen hatte? Was, wenn Humphrey sie auf seinem Grundstück erwischte?
Sie würde sagen, sie sei dabei, die Bedingungen für das Schwarze Kohlrösschen mit ihren Pilzen zu verbessern, denn er habe damals zu ihrem Vorschlag nicht nein gesagt.
Sie kaute auf ihrer Unterlippe, während sie sich eingestand, dass er auch nicht ja gesagt hatte.
Eleonores Vermächtnis
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