Waltraud vermutete, dass das Teil für das Hintertürchen des Mannes bestimmt war.
Die Blondine streifte den Handschuh ab und hatte plötzlich ein Handy in der Hand, mit dem sie wohl per Fernsteuerung das Teil in dem Mann zum Leben erweckte, denn der Typ zappelte herum, soweit es die Riemen zuließen und brüllte: „Ich muss gleich pissen.“
Sie strich über das Handy und die Bewegungen des Mannes wurden ruhiger.
Nach einer Weile sagte er: „Blöde Kuh!“
Die Blondine nahm das Handy wieder zur Hand und gleich darauf schrie der Typ: „Liebe Kuh!“
Und obwohl auch diese Einlassung nicht astrein war, schien die Angesprochene die Bezeichnung aus dem Tierreich nicht weiter ahnden zu wollen, denn die Szenerie beruhigte sich. Weil dann leise gesprochen wurde, konnte Waltraud nichts mehr verstehen.
Beunruhigt schlich sie weiter um die nächste Hausecke in Richtung der Terrassentür. Sie hatte Glück und hörte durch die halb offenstehende Tür, wie der Mann etwas murmelte, während er sich ächzend trotz der Riemen auf den Rücken drehte.
Waltraud erkannte in dem Gefesselten Ben Humphrey, über den sich die Blondine beugte und sagte: „Genieß es!“ Ihr Befehlston lud jedoch nicht zum Genießen ein und jetzt begann sie auch noch, die Riemen nachzuziehen, mit denen er auf der Liege fixiert war.
Sein Schwanz hatte begonnen, sich trotz der frostigen Atmosphäre langsam zu erheben und stand nun leicht gebeugt, wie ein schwergewichtiger Herr, der verschnaufen muss, bevor es weitergeht.
Ein riesiges Wolkenschiff schob sich vor die Sonne und Waltraud nutzte die Gunst des Augenblicks, um an der Terrassentür, ohne einen Schatten zu werfen, vorüberzuhuschen. Von der anderen Seite würde sie einen besseren Überblick haben.
Die Blondine hatte wieder ihr Handy vor und bald japste Ben, der die Augen geschlossen hielt, erst leise, dann vernehmlicher.
Eleonores Vermächtnis
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