„Nein,“ schallte es in der klaren Bergluft unterhalb des kleinen Hüttendorfs und dann: „Hilfe. - Aufhören!“
Waltraud legte ihre Schaufel zur Seite, mit der sie Erde über frisch angesätes Alpen-Vergissmeinnicht geworfen hatte. Sie schob unmutig den Strohhut in den Nacken und wartete.
Sie hätte nicht herkommen sollen, auf den Hang unterhalb von Eleonores Haus, das neuerdings dieses Tier beherbergte.
Aus welcher der beiden über ihr am Hang liegenden Hütten hatte - der Stimme nach ein Mann - gerufen?
Einige Schön-Wetter-Cumulus segelten über den blauen Himmel und verschatteten den Berghang. Sie hoffte auf ein weiteres Signal, doch alles blieb still. Sogar das trockene Krächzen der Bergdohlen war in der Nachmittagshitze verstummt.
Sie wischte sich den Schweiß vom Gesicht und nahm den Hut ab, um die Stirn zu kühlen. Aber kein Luftzug rührte sich und die Lärchen, die rechts von ihr eben noch vernehmlich gerauscht, standen reglos.
Entschlossen nahm sie ihr Körbchen mit den Mykorrhiza-Pilzen und näherte sich der rechten Hütte.
Das mit dem Wort „Verkauft“ überklebte Schild eines Immobilienmaklers erzählte, dass diese Berghütte neue Besitzer hatte und die rundum geschlossenen Rollläden und der von Werbung überquellende Briefkasten, dass die neuen Besitzer nicht anwesend waren.
Sie wandte sich der linken Hütte zu, von der sie wusste, dass mit deren Kauf Eleonore Tripani, ihre Patin, sich einen Traum erfüllt hatte. Als Waltraud bei ihr vorsprach, ob sie sich auch auf ihrem Anwesen um die Ansiedelung seltener Alpenpflanzen kümmern dürfe, hatte Eleonore ihr sofort Unterstützung zugesichert. Nach langen Jahren mit dürftigen Kontakten hatten sie sich über den Zufall ihrer ungeplanten Nachbarschaft im gleichen Ort gefreut und viel zu lachen gehabt bei ihren Begegnungen bis am 4.
Eleonores Vermächtnis
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Eleonores Vermächtnis
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