Ahnt, dass sie die Gründe nicht nachvollziehen kann und doch kann er nicht anders:
„Durch den Unfall und die langsame Genesung ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie alt ich eigentlich bin. Viel zu alt für dich jedenfalls“, fügt er kleinlaut hinzu.
Hannes wartet auf eine Reaktion. Er erwartet heftigen Widerspruch, doch Carmen ist clever. Sie weiß, macht sie das jetzt, treibt sie ihn noch weiter in die Rechtfertigungsblase, die er sich selbst geschaffen hat. Da ist er eben wie ein Kind, das genau das Gegenteil von dem macht, was andere sagen.
Nur eine auffordernde Geste gestattet sie sich und bringt Hannes damit aus dem Konzept.
„Was willst du denn noch wissen?“, fragt er unter einem tiefen Atemzug.
„Na, das ist ja nichts Neues und du hast das schon öfter angebracht. Da muss doch noch mehr sein. Etwas, was in letzter Zeit dazu kam.“
„Mir wächst das alles über den Kopf. Ich schaff das nicht mehr. Der Job, die Arbeit zu Hause und mein Alter, dass ich immer mehr spüre. Ich fühle mich dir nicht mehr gewachsen“, versucht es Hannes ausweichend.
„Ach ja, wie war das noch, als du mich ans Geländer gebunden hast? Gab’s da nicht den Beweis, dass du kein Schlappschwanz bist? Außerdem weißt du genau, dass der Sex nur der eine Aspekt unserer Treffen … Beziehung ist. Genauso wichtig oder vielleicht sogar wichtiger ist mir inzwischen, das andere was du mir gibst. Die Wärme, dein Verständnis und das Wissen, dass ich bei dir so sein darf, wie ich bin.“
Carmen hat ihn in die Enge getrieben, doch diesmal will und kann Hannes nicht zurückstecken. Es geht über seine Kräfte, dieses Verhältnis aufrechtzuerhalten. Nicht aus sexueller Sicht, das schafft er schon noch, weil Carmen dazu die perfekte Partnerin ist, doch das ist ja nicht das einzige.
Carmen braucht seine seelische Zuwendung fast noch mehr. Wozu noch die Entfernung und die Heimlichkeit kommt, mit der alles ablaufen soll, weil seine Frau nichts davon mitbekommen will.
Ende und Anfang
Hausfreund oder mehr – Teil 5
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