Enthüllung

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Enthüllung

Enthüllung

Anita Isiris

Er scheint sich bestens auszukennen mit uns Frauen und hört jedes Mal genau dann auf, wenn ich so weit wäre. Dann versinke ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Vor dem Fenster flirrt die Hitze, auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, in einer weiteren Nacht am Coconut Grove. Ich zappe nach Europa. Auf dem Bundesplatz in Bern plätschern kleine Fontänen. Darunter wälzen sich Hunderte von Leuten – Menschen, die sich ein 20-Euro-Evian nicht leisten können. Gletscher haben sie keine mehr, die Schweizer. Ein paar weggespülte Dörfer waren die Folge, Versicherungen sind seither unerschwinglich. Egal. Ein Klacks für mich gegen die Tatsache, dass am Nordpol vor zehn Jahren die letzten Eisbären ertrunken sind. Keine Eisschollen, kein Boden. Kein Boden, kein Halt. Dann ist das Wasser kalt. Ach ja, ich verfüge bestimmt über die am besten gepflegte Muschi hierzulande. Kein Wunder, wenn die ganze Welt sie kennen soll. Über zwei Stunden lang haben sie sie wieder gepeelt, gezupft, massiert und mit Gel behandelt gestern. Das Zupfen juckt, was danach kommt, ist sehr angenehm. „Lina, du brauchst da unten kein Haar; wir können Dich problemlos rasieren. Für Schamhaare ist es definitiv zu heiss.“

Das gilt auch fürs Achselhaar, aber keineswegs fürs Kopfhaar. Ich habe dichtes, blondes Haar – ein Erbe von meiner Grossmutter, die noch Gletscher, Eisschollen und fliessendes Wasser kannte.

Ich bin Lina, im 8. Monat schwanger. Ich zeige mich gern. Lass die Phantasie spielen in Deinem Kopf, lass sie spielen auf der Klaviatur der Erotik. Tu mit mir, was Du willst in Deinem Kopfkino. Rasier mich. Massier mich. Küss mich. Dring in mich ein. Vögle mich. Oder sprich ganz einfach mit mir. Gib mir was zu Trinken.

Noch etwas: Ich habe mich dem Fotografen gezeigt zur Gänze. Habe mich vor ihm enthüllt. Und er hat mich in seiner Galerie.

Deine Lina

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Gedichte auf den Leib geschrieben