Entscheidungen

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Yupag Chinasky

Er suchte sich einen Platz auf der anderen Straßenseite, von dem aus er schauen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

Auch um diese Zeit waren die Straßen nicht belebt, auch wegen des schlechten Wetters. Der unregelmäßig einsetzende Regen und die heftigen Windböen hielten die meisten davon ab, ihr Haus zu verlassen. Niemand ging an ihm vorbei, niemand betrat das Haus, niemand verließ es. Dann raffte er sich endlich auf, überquerte die Straße, ging auf das Haus zu, ging die paar Meter durch einen kleinen, ungepflegten Vorgarten bis zu der Haustür und klopfte. Die Tür hing windschief in den Angeln, man hätte sie ziemlich einfach aufbrechen können. Es rührte sich nichts. Er klopfte nochmals, lauter, fester, ungestümer. Es war wohl doch niemand im Haus, und er wollte ziemlich enttäuscht schon wieder gehen, als die Tür vorsichtig geöffnet wurde, sie quietschte leise in den Angeln und dann stand tatsächlich das Mädchen in der offenen Tür. Sie erkannte ihn sofort und schien gar nicht überrascht zu sein, ihn zu sehen, fragte nur ein wenig erstaunt, wie er sie gefunden habe. Als sie dann in einer Art Wohnküche saßen, karg eingerichtet, nur das Nötigste und das war alt und schäbig, entschuldigte sich Angela wegen der Enge, der Unordnung, der Armseligkeit. „Das war der Hurrikan vor ein paar Jahren“, sagte sie, „wir haben kein Geld, um das Haus herzurichten oder um neue Möbel zu kaufen, wir haben für nichts Geld.“ Sie fragte, ob er einen Kaffee wolle. „Und wenn wir Geld hätten, gäbe es kein Material, keine Handwerker, die Geschäfte sind leer, es gibt einfach nichts“, erklärt sie schulterzuckend, während sie das Wasser aufsetzte und die Kaffeebohnen in einer alten Kaffeemühle mahlte. Er wollte wissen, wer denn wir sei, wer noch hier lebe. „Allein mit meinem Sohn und meiner jüngeren Schwester, die noch in die Schule geht“, antwortete sie.

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