Jeder, der ihn sah, wusste, dass so etwas nur von einer Schlägerei herrührte. Guter Schlag, dachte er grimmig, dann zog er sich aus, duschte und suchte, immer noch wütend in seinem Koffer nach neuen Kleidern. Diesen Abschluss einer Urlaubsreise hätte er nicht einmal seinem ärgsten Feind gewünscht. Selbstmitleid packte ihn, er brauchte Trost, der Hunger war ihm zwar vergangen, aber er hatte Durst. Das, was er jetzt dringend brauchte, war ein Bier oder zwei, später könnte er vielleicht noch etwas essen, wenn sich sein Magen wieder beruhigt hatte. Die Bar war zwar geöffnet, aber um diese Zeit noch leer, es war noch zu früh für die ewigen Stammgäste. Der Barkeeper Antonio sah ihn fragend an, traute sich aber nicht, sich nach dem Grund seiner Blessur zu erkundigen. Ohne eine Bestellung abzuwarten, stellte er eine Dose Bier vor ihn auf den Tresen. Welche Wohltat!
Sein Mund war schon ganz trocken gewesen, vor Wut, vor Enttäuschung, vor Scham. Er trank schweigend, darauf eingestellt, das ihn niemand anquatschen würde, dass er niemandem von seinen Erlebnissen und seinem Kummer erzählen könnte. Doch dann geschah etwas, das er nicht erwartet hätte. Antonio kam, über den Tresen hinweg, ganz dicht zu ihm, steckte seinen Kopf ganz nahe an den seinen und flüsterte, obwohl niemand sonst da war, der ihn hätte hören können, ob er ihm helfen könne, ob er ihm eine Frau als Trost besorgen solle, vielleicht die vom Vorabend, diese Yoani. Er war perplex. Er kannte sie also doch. Es war keine Einbildung gewesen. Er nickte, bevor er über den Grund dieses Sinneswandels nachdachte und Antonio tippte eine Nummer in sein Handy. Keine Viertelstunde später betrat Yoani die Bar und kam ohne Umschweife auf ihn zu, umarmte ihn, gab ihm einen Kuss auf den Mund und fragte erst dann, was mit seinem Gesicht los sei.
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