Entscheidungen

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Yupag Chinasky

Da nützte ihm sein ganzer Charme nichts, den er aber im Moment auch nicht parat hatte und auch nicht sein gutes Aussehen, das ja durch ihre Schuld gelitten hatte, noch seine Kunst, Frauen zu verführen. Dafür blieb ihm einfach keine Zeit mehr, auch nicht für weitere Erklärungen oder Entschuldigungen oder Versprechungen. Angela war zu dem Schluss gekommen, dass sie mit diesem Looser nur ihre Zeit verschwenden würde, bei dem gab es absolut nichts mehr zu holen und sie ärgerte sich, dass sie überhaupt soviel Energie in ihr Vorhaben investiert hatte, diesen Gringo auszunehmen. Es war Freitagabend, die Disko war voll, es war viel los, interessante Leute aus der Kapitale waren gekommen, darunter ein paar höchst attraktive Ausländer, die natürlich schon von den anderen Chicas belagert wurden. Sie müsste sich beeilen, wenn sie nicht zu spät kommen wollte. Sie ließ ihn einfach sitzen, ohne ein Wort, ohne eine Erklärung, ohne Bedauern.
So saß er schon bald, nachdem er gekommen war, allein am Tisch, von zwei Frauen nacheinander unter entwürdigenden Bedingungen verlassen und merkte, dass er nicht einmal mehr in der Lage war, die Rechnung zu bezahlen, die er mit diesem elenden Luder Yoani gemacht hatte, und überlegte nun krampfhaft, wie er sich aus der Affäre ziehen könnte. Er ging auf die Toilette und fand eine Tür, die ins Freie führte, in einen kleinen Hinterhof. Er musste nur über eine niedrige Mauer klettern, dann war er dieser verdammten Disko entkommen, dann war er auch schon auf dem Weg in das Hotel, mied dort die Bar, mied Antonio, das Risiko dieser verdammten Yoani nochmals zu begegnen, wollte er nicht eingehen. Er ging gleich in sein Zimmer und packte seine paar Klamotten zusammen. Er überlegte sich, wie er es anstellen sollte, den Koffer ungesehen ins Freie zu bringen, aber da außer ein paar dreckigen Kleidern nichts Wertvolles vorhanden war, beschloss er ihn einfach dazulassen. Er wartete, bis es drei Uhr war, dann schlich er sich die Treppe hinab, ging zur Rezeption, sah, dass der alte Mann, der üblicherweise Nachtdienst hatte, fest schlief und nahm den Haustürschlüssel vom Brett. Er hatte sich diesen Abgang schon länger überlegt und sich entsprechend informiert. Dann war auf der Straße, machte sich auf den Weg ins Zentrum, irgendwann hielt ein Auto an, das ihn mitnahm. Den Tag verbrachte er mehr schlecht als recht mit Herumlaufen, Herumlungern, mit hungern und dürsten. Gegen Abend gelangte er wieder per Anhalter zum Flughafen. Alles verlief gut, er bekam keine Schwierigkeiten bei der Ausreise. Er hatte ein bisschen gefürchtet, dass die Hotelleitung ihn anzeigen würde und die Polizei ihn aufhalten könnte, aber nichts dergleichen geschah. So saß er dann endlich im Flugzeug und nahm Abschied von dem Land und von seinen Träumen und Illusionen, die so gründlich zerstört worden waren.

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Gedichte auf den Leib geschrieben