Erdbeerkuss - Teil 1

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Erdbeerkuss - Teil 1

Erdbeerkuss - Teil 1

Madam Lasterhaft

Süß kitzelte das schokoladig nussige Aroma Marinas Gaumen. Die dunkle Schokolade hinterließ ein samtiges Mundgefühl. Krachend zerbrach sie zwischen ihren Fingern den Keks mit den satten Schokochunks in zwei Teile und zerteilte ihn auf ihrer Untertasse in weitere Stückchen. Die sie dann mit ihren Fingern zu ihrem rot geschminkten, vollen Mund führte. Über die kleinsten sandkorngroßen Krümel freuten sich dankbare Spatzen, auf die ein kleiner Krümelregen niederprasselte und den ein oder anderen Brösel vom bläulich schimmernden Federkleid abprallen ließ. Ihr makellos lackierter Zeigefingernagel tippte auf das Emblem des Kaffeehauses in dem sie ihre wohlproportionierte Figur auf einem Wishbone Chair niedergelassen hatte. Ihre Nagelmonde waren gleichmäßig und von jeder Malträtierung durch ein Nagelstudio verschont geblieben. Die Nagelwälle waren jungfräulich unversehrt. Als wären diese nur zum Anschauen auf der Welt und müssten keinerlei schwere Arbeit verrichten. Sie kratze etwas an dem Papierschifflogo herum und suchte nach Zerstreuung. An dieses honigsüße, freie Lebensgefühl konnte man sich schneller gewöhnen als einem lieb war. Ein Haar hatte sich aus ihren kurzen, eng am Kopf anliegenden, zusammengebundenem Pferdeschwanz gelöst und kitzelte ihre Wange. Wobei das Wort Pferdeschwanz mächtig übertrieben war. Der Durchmesser ihres Schwänzchens war winzig klein etwa wie ein abgerauchter Zigarettenstummel. Ein wenig Orange, ein Hauch von Weiß und etwas Ruß am Ende. Der Schwanz war gerade so, dass man ihn als diesen bezeichnen kann. Wie ein Handtaschenhund, der mit großzügigem Augenmaß der Kategorie Hund zugesprochen werden kann. Marinas Vorzüge lagen in anderen Eigenschaften. Marina schloss ihre schwarz getuschten Augen und sog die Sommerluft in sich auf. Sie fühle Urlaub. Sie fühlte frischen sommerlichen Wind. Ein Moment der Zeitlosigkeit.

Ganz im Gegensatz dazu hallte ihr der Sound des Weckers auch noch Stunden, nachdem sie ihn ausgestellt hatte, nach. Wie ein Verräter erschien ihr der Akkustand ihres Smartphones heute Morgen, der in klaren Lettern mitteilte bis zur Gänze zu 100% geladen zu sein. Marina grübelte nach, wann sie je das Gefühl gehabt hatte auf Vollleistung zu laufen. Hatte er seinen Lebenssaft etwa aus ihr gezogen, wo er so voll und sie fertig mit der Welt war? So platt und erledigt wie sie sich aus dem Bett schälte, lag der Gedanke nahe. Sicherlich war sie nicht so komplett durchoptimiert wie andere aus ihrem Bekanntenkreis. Diese aufdringlichen Zeitgenossen wurden nicht satt davon sich in endlos erscheinenden Posts in jeglicher erdenklichen Situation von der schokoladigsten Schokoladenseite abzulichten. Als wäre dies nicht genug musste alles aber auch wirklich alles gepostet werden. Nicht nur einmal hatte sie überlegt als Protest auf diese Exhibition von geschönten Bildern die Bristol Stuhl Tabelle zu veröffentlichen, die eine Einordnung des großen Geschäftes erleichtern würde damit dies auch noch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Sie entschied sich meist doch für die sozial verträglichere Variante und ließ es bleiben. Zu verbissen und humorlos waren die Menschen geworden. Clickbaiting für jede und jeden. Content bis zum Mars und zurück. Sinnlos dagegen vorzugehen. Sie schlürfte achselzuckend den Status ihres Messengers wegdrückend mit ihren Pantoletten und dem einzig vorhandenen besitzlosen dunkelblauen Frottee Bademantel mit Harry Potter Emblem in die Küche. Sich vorzustellen wie eine der zahlreichen Besucherinnen ihres Mitbewohners ihren blanken Hintern und ihr vielleicht noch feuchtes Geschlecht auf ihrem schönen blütenweißen Bademantel setzte stieß ihr auf. Die unordentliche Zerstörung des übereinandergestapelten Geschirrs in der Küchenspüle in ihrer WG erinnerte sie an den Brutalismus des benachbarten Schulgebäudes aus den Siebzigerjahren. Ein Statement und Provokation an sie als ordnungsliebenden Menschen. Wenn der Typ mit der Spüle so gründlich wie mit den Muschis wäre hätte sich das Problem hier in Luft aufgelöst. Sie hatte keine Lust diesen Porzellan Kampf aufzugeben. Ließ das Geschirr Geschirr sein und ließ den tropfenden Wasserhahn zurück. Das sanfte Chiffon des Sommerkleides durfte ihre Haut umschmeicheln als sie es über sich gleiten ließ. Es war ein Weckruf an einen verheißungsvollen Tag. Das weiche Cashmere des Jäckchens kam ihr vor wie tausend Küsse auf ihrer Epidermis.

Da kam ihr das Angebot der Fruchtauslage ihres benachbarten Supermarktes gerade recht. Ein gesunder Power-Shot aus dem Obstregal ganz natura ohne breiige Konsistenz der an Babybrei anmutenden Smoothies in der Kühltheke einen Gang weiter. Schnell ließ sie das Geld passend auf den metallenen Kassentresen klimpern und zog von dannen mit ihrem kleinen Schälchen verheißungsvoller Früchte, welches sie wie einen kleinen Schoßhund in die Armbeuge schützend und vorsichtig eingeklemmt hatte.

Zurück zum Cafe: Der Reißverschluss ihrer Handtasche lag zerteilt vor ihr und gab zwischen seinen groben Metallzähnen fruchtig rot glänzende Erdbeeren preis. Sie waren für die heutige Nacht bestimmt. So der Gedanke. Andererseits wurden sie vielleicht durch die Zellophan Umhüllung unnötig des lebensspendenden Sauerstoffes beraubt und verloren an ihrer Frische und Makellosigkeit. Die kleinen Früchtchen wurden aus ihrem quietschend raschelndem Schneewittchen Sarg aus Kunststoff befreit und lagen griffbereit im Halbdunkel der Handtasche. Die süßlichen Aromen lockten ihre Hand ins Dunkel. Mit schnellem, spinnenhaftem Griff sammelte Marina eine Handvoll ein. Ein paar konnten nicht schaden. Und außerdem muss man die Ware, die man seinen Gästen anpreist, gut kennen. Die kleinen Beeren hatten viel Aroma. Verdammt viel. Ob da noch mehr ging? Sie legte gleich eine weitere Beere auf ihre Zunge nach und zerdrückte sie sachte. Ließ noch eine in ihren Mund wandern, war erfüllt voller Erdbeerglück. Marina zwang sich zu einer Pause. Tippte sich unbewusst auf das winzige Steinchen ihren Nasenpiercings. Naschte noch eine. Jetzt war es aber wirklich genug! Als über die Hälfte verspeist war kam die Zeit des Aufbruchs.

Sie schwang sich mit ihren Sandalen auf ihre vom Sonnenlicht heiß gewordene Sitzbank ihres Rollers und knatterte mit spuckend löchrigem Auspuff die Küste entlang. Ihre Innenschenkel brannten ein wenig von dem heiß gewordenen Material. Bloß nicht an den glühenden Auspuff kommen! Sie drückte ihre Schenkel etwas zusammen um den Halt in den Kurven der Serpentinen nicht zu verlieren. Lieber hitzig leiden statt im lauwarmen Oma-Modus über die Straßen zu tuckern. Schmal gebaut und glatt war die Sitzbank. Bald kühlte der Fahrtwind die etwas zu heiß gewordenen Schenkel, die ihr flatterndes Sommerkleid preisgab, angenehm herunter. Marina klappte ihr Visier nach oben und genoss wie die frische Luft ihre Lungen mit Leben füllte. Ihr Handy klingelte. Sie drückte es weg. Ließ sich kein bisschen Urlaubsfeeling nehmen. Spreizte ihre Zehen ein paar Millimeter auseinander und ließ auch Wind an die empfindliche Haut der Zehenzwischenräume. Etwas in ihr wünschte sich, dass ihr Date an ihrer Türe wartete, damit sie ihre ihren ersten Erdbeerkuss geben konnte. Sie drückte die blank gescheuerte Klinke des Gartentors herunter. Das Scharnier gab in leierndem Ton jammernd seinen Diensten nach und schrie nach etwas aufmerksamer Pflege. Kein überraschender Besuch von Prince oder Princess Charming war in Sicht. Ihrem heutigen Date hatte sie ihre Adresse auch nicht verraten. Sie erfrischte sich und eilte in schnellen klappernden Schritten die Betonstufen des Vorgärtchens hinab um ihr Glück zu suchen.

Die Leute in der Innenstadt waren in sommerlicher Sorglosigkeit vertieft. „Da bist du ja.“ Tönte ihr der tiefe Bass ihrer Verabredung ins Ohr. Marina die gestandene Frau fühlte wie ihr trotz ihres ausprägten Selbstbewusstseins etwas flau in der Magengegend wurde. Sie drehte sich um, hatte ihn hinter sich am plätschernden Brunnen erkannt „Hi, wartest du schon lange? Ich habe daheim noch einen Zwischenstopp gemacht. Und du weißt, der Stadtverkehr tut sein Übriges nur nicht das, was er soll. Fließen.“, fragte sie fast schon schüchtern lächelnd. Sie rief sich in Windeseile zur Ordnung und straffte ihre Schultern. So leicht wollte sie seiner ausgestrahlten Männlichkeit nicht erliegen. Ein optimales Maß an Muskeln, nicht übertrieben, nicht schlacksig in Jeans gekleidet. Das Shirt mit provokativem Aufdruck wollte sie ihm nachsehen. Wirkte etwas wie ein Nerd.

Das seine Stimme Frauenherzen weich werden ließ hatte er wahrscheinlich in seinem Standard Dating Programm schon zu oft erlebt. Sie griff seine Hand und zog ihn mit sich. Andre ließ sich von seinem Date mitreißen. Unter einem umrankten Bogengeflecht zog Marina ihn zu sich. „Ich habe dir etwas mitgebracht“, flüsterte sie während ihre Blicke in seinen bernsteinfarbenen Augen versanken. Ohne lang abzuwarten bekommt er auf seine weichen Lippen einen Kuss gehaucht. Zuerst zurückhaltend, dann williger und gieriger. Beide erforschen sich gegenseitig. Seine Finger wandern geschmeidig über ihre Rundungen. Jetzt ist sie doch wieder ganz Girlie als Andre sie auf seine Arme hebt und in eine Nische trägt. Sein Hosenknopf steht unter Druck als er sie fühlen lässt. Marina zaudert nicht lange und öffnet den Reißverschluss mit einem Ruck. Die Knöpfe lösen sich dumpf und geben dem mächtigen Lümmel fast den Raum, den er verdient. Noch ist er in der Blackbox der Shorts gefangen. Marina schiebt ihr Kleid nach oben, reibt ihren Po an ihm. „Fick mich.“ Möchte sie sagen. Unterdrückt es, beißt auf ihre Lippen und schiebt seine Hose nach unten. Andre ist fleißig mit ihrer Möse zugange. Nicht nur der kleine Brunnen plätschert. Ihre Muschi ist voller Vorfreude feucht geworden. Sie ist hungrig. Andre spürt es, lässt seinen Schwanz ganz langsam in sie gleiten. Marina keucht ihre Überwältigung in die Luft. An die steinerne Einfassung gelehnt lässt er Marina ihre Orgasmen abarbeiten. Was für Mühe es kostet seinen Orgasmus zu unterdrücken bis er endlich den Final Shot machen darf. Verhalten ist das Seufzen und Stöhnen bis sie dem lustvollen haltlosen Orgasmus nachgeben dürfen. Berauscht pumpt Andre seinen Lust Saft in das pulsierende Fötzchen bis er leergetankt ist. Beide verharren einen Augenblick in der Position ehe sie sich bekleiden. Marinas Nasenpiercing glänzt. Ihre Wangen tun es auch. „Bis bald…“, sagt sie mit Schalk im Blick ehe sie sich ihre Tasche nimmt. „Bis bald Erdbeergöttin.“, antwortet Andre flüsternd und haucht ihr einen Abschiedskuss auf ihre Halsbeuge.

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