Erinnerungen an Anna

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Erinnerungen an Anna

Erinnerungen an Anna

Andrea Pfister

Am liebsten trug Anna zu Jeans dunkelbraune Sportsandaletten, die mit ihren zwei nur etwa 20mm breiten Flechtbändern sehr viel Fuß sehen ließen, und dazu hauchdünne, unverstärkte dunkelblaue Feinstrümpfe oder Söckchen, durch deren Gewebe der feuerrote Nagellack hindurch schimmerte. Ein Bild für die Götter. Sie brachte mich regelmäßig in Verlegenheit
wenn sie in der Öffentlichkeit mit ihren Zehen Turnübungen veranstaltete und ich wie hypnotisiert immer wieder hinsehen musste und regelmäßig den Faden dessen verlor, was ich gerade tun wollte. Anna amüsierte sich köstlich dabei.
Wir liebten uns über ein Jahr, bis sie mir gestand, dass sie in zwei Monaten ein Stipendium in den Vereinigten Staaten antreten würde. Ich war vollkommen ahnungslos.
Als sie sich mir offenbarte, brach in mir die ganze Welt zusammen. Nicht nur weil sie mich verließ, nichts hält ewig, sondern weil sie es mir vorenthalten hatte bis es fast nicht mehr
ging.
Wir hatten ein so ausgesprochen vertrauensvolles Verhältnis miteinander.
Die treibende Kraft waren Anna `s Eltern. Denen war ich mit meinen Architektur - und Designambitionen sowieso ein Dorn im Auge. Annas Vater hatte ihr selbst gegenüber die Zusage des MIT solange verschwiegen wie es möglich war, das erfuhr ich aber erst als Anna schon weg war.
Wir trennten uns kurz und schmerzlos, nach außen hin .
Innerlich hat es uns beide zerrissen. Bei mir ist damals etwas zu Bruch gegangen was mir lange, lange Jahre den Umgang mit meinen Mitmenschen erschwert hatte, Vertrauen.
Anna. Nie werde ich den betäubenden Duft ihrer Füße vergessen.
Anna blieb in den Staaten, sie kam auch nie mehr zurück. Ihre Familie besuchte sie drüben.
Anna arbeitet heute erfolgreich als Professorin für künstliche Intelligenz am MIT.

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