Erinnerungen an Anna

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Erinnerungen an Anna

Erinnerungen an Anna

Andrea Pfister

Es war in dem Jahr vor meinem Abitur, als eines Tages unser Direktor mit einer neuen Schülerin in unserer Klasse erschien.
Er stellte uns Anna vor.
Anna war klein, von schmächtiger Gestalt, hatte fuchsrotes Haar, einen dunklen Teint und grüne Augen.
Zu unser aller Überraschung war Anna erst 16 Jahre alt.
Sie hatte während ihrer schulischen Laufbahn schon zwei Klassen übersprungen und galt als Superintelligenzlerin.
Sie kam aus Niedersachsen zu uns als Förderschülerin. Ihr momentaner Notendurchschnitt lag bei glatten 1,0.
Wir, alle schon 18 und darüber, waren tief beeindruckt. Am meisten ich.
Anna gefiel mir vom ersten Augenblick an sehr gut.
In unserer Klasse waren noch drei Plätze frei, unter anderem auch der Platz neben mir.
Als der Direx sie nach seiner salbungsvollen Vorstellung, unter Erwähnung aller ihrer Leistungen in die Klasse entließ, flehte ich alle bekannten und unbekannten Heiligen im Himmel an, sie möge bitte den Platz an meiner Seite, mittlere Reihe, letzte Bank wählen.
Ich schloss die Augen und hoffte.............
Dann roch ich Nina Ricci, L `Air du temps, und ich wusste mit geschlossenen Augen dass die Götter mich erhört hatten.
Augen auf; und da saß sie. Anna .
Wir begrüßten uns kurz und folgten dann dem Unterricht. D.h. sie folgte. Ich musste sie andauernd ansehen, was mir in der zweiten Stunde postwendend einen Rüffel einbrachte.
In der Pause sah ich mich dann auch gleich den ersten neidschwangeren Frotzeleien meiner Mitschüler ausgesetzt. „Ja. Ja. Der Pfister, so ein Sonnenkönig!“ usw. usw.
Anna war das was man heute als total cool bezeichnen würde. Sie war äußerst distanziert, aber unverbindlich und immer freundlich . Sie redete sehr selten und wenn, dann sehr langsam. Manchmal verhaspelte sie sich ein wenig und stotterte, aber nur ganz kurz. Man sah ihr an , dass sie sich in diesen Momenten wahnsinnig konzentrierte.
Sie trug immer die selben Klamotten, wie ein Markenzeichen. Verwaschene, superenge Jeans und ein weißes, sehr weites Herrenhemd mit einer schmalen Herrenkrawatte.
Darüber trug sie immer einen dunkelblauen oder schwarzen Clubsakko.
Dazu trug sie, auf Hochglanz polierte, schwarze Herrenschuhe, die ihr locker zwei Nummern zu groß waren.
Das alles passte hervorragend zu ihrem Typ.
Nach der ersten Woche war ich total verknallt in sie. Aber sie blieb freundlich zurückhaltend und auf Distanz. Sie widerstand jeder meiner Einladungen zu Eis, Kino, Disco und Party standhaft und ging nach dem Unterricht immer gleich nach Hause.
Ihr Alter muss sie schwer an der Kandare haben, dachte ich mir. Irgendwoher mussten ihre
phänomenalen Leistungen ja kommen, schließlich war sie schon nach zwei Monaten offizieller Primus aller vier Abiturklassen unseres Gymnasiums.
Ich war so verliebt in sie, dass ich zum ersten Mal in meiner unrühmlichen Schullaufbahn
gerne zum Unterricht ging.
Aber trotz aller freundschaftlichen Versuche Anna für mich zu gewinnen, blieb sie eisern.
Bis zum nächsten Frühjahr.
Der Ältestenrat der Abiturienten veranstaltete den berühmt, berüchtigten und traditionsschwangeren Frühlingsball.
Ich bequatschte Anna so lange, bis sie mir zusicherte nicht nur zu kommen, sondern auch mit mir hinzugehen.
Der große Abend kam .
Ich trug ausnahmsweise einen dunkelblauen Anzug mit einer Fliege und hatte meine
langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.
Anna trug ihr übliches Outfit, ergänzt durch ein Gilet.
Wir waren das am meisten beachtete Paar an diesem Abend. Anna war überraschender Weise
eine sehr gute Tänzerin.
Während der zweiten , langsamen Tanzserie und nach dem wir uns vorher schon etwas näher
gekommen sind, fasste ich den Mut Anna meine Liebe zu gestehen. Ich konnte mir nicht ausmalen wie sie darauf reagieren würde und dachte: Alles oder Nichts.
Anna sah mir tief in die Augen, legte mir ihre Arme um meine Schulter, zog mich etwas zu ihr herunter und küsste mich leidenschaftlich. Ich hob sie, während ich ihren Kuss erwiderte,
hoch und drehte uns im Kreis bis uns schwindlig wurde.
Ich war im siebten Himmel
Als wir gemeinsam eine Etage tiefer zur Toilette gingen, trat Anna auf der Treppe schief und
verstauchte sich den Fuß. Sie setzte sich vorsichtig unter Stöhnen auf die vorletzte Stufe und
ich versuchte ihr so schonend wie möglich den Schuh auszuziehen.
Damit die großen Schuhe Halt hatten, hatte Anna sie sehr fest und doppelt geschnürt.
Als ich ihr die Socke abstreifte war das Fußgelenk schon stark geschwollen.
Erst auf den zweiten Blick erkannte ich das Anna geradezu göttlich schöne Füße hatte.
Größe 38 etwa, wunderschöne gerade Zehen und dunkelrot lackierte, perfekt geformte
Zehennägel.
Mein olfaktorisches Zentrum in meiner Nase meldete Verwirrendes. Erstens erhebliche Mengen an Pheromonen, aber zweitens, einen unweiblichen Geruch, der von den Schuhen
ausging.
Ich versorgte ihren Fuß mit einem kalten Wickel, nahm sie auf den Arm und trug sie zum Wagen eines Freundes, mit dem ich sie dann zu ihr nach Hause fuhr.
Sie wohnte in einem Vorort und ich fuhr langsam
Unterwegs erzählte sie mir dann von ihrer Familie, dass sie noch drei ältere Brüder hätte die alle studierten, dass ihr Vater nicht so toll verdiene, dass die Fördermittel die sie bekam für die Schule draufgingen und dass sie aus diesem Grund die Klamotten ihrer Brüder auftragen müsse. Auch die Schuhe. Und dass sie verzweifelt versuche, das nach ihrem persönlichen Look aussehen zu lassen. Was ihr auch überzeugend gelang.
Die Kleider gingen ja noch, dachte ich mir, aber die Schuhe, das arme Ding
Diese Situation musste ich ändern!!
Anna besaß so schöne Füße, die durften unter gar keinen Umständen in Herrenschuhen verkommen.
Außerdem erzählte sie mir, dass sie als Kind entsetzlich gestottert hätte. Eine intensive Schulung hätte das aber weitgehend eliminiert. Nur manchmal, wenn sie nervös sei.........
Ich verflüssigte alle meine baren Mittel und kaufte in unserem modisch am besten sortierten Schuhhaus ein Paar Collegeslipper, ein Paar elegante Pumps, ein Paar Dianetten und zwei Paare Sandaletten.
Die Verkäuferin staunte nicht schlecht, als ich dafür fast siebenhundert Mark auf den Tisch blätterte.
Am Anfang unserer Freundschaft besuchte Anna mich öfter zuhause als ich sie . Meine Eltern sahen unsere Freundschaft lockerer und in einem liberaleren Licht als Annas Eltern.
Außerdem hatte ich ein eigenes Zimmer außerhalb des direkten Lebensbereiches meiner Eltern. So lud ich Anna zu gemeinsamen büffeln ein und sie kam. Ihr Fuß war wieder OK.
Anna war erst geschockt als sie die Schuhe sah und realisierte dass das keine Auswahl war,
sondern das ich ihr alle Schuhe schenken wollte, dann bekam sie einen Tobsuchtsanfall
und verlangte alle Schuhe zurückzubringen. Sie ereiferte sich derart, dass sie zu stottern begann und keinen zusammenhängenden Satz heraus brachte. Als ich das verweigerte und sie endlich beruhigt hatte, fing sie vor Freude an zu weinen. Als die Tränen nach einer Weile versiegten und sie wieder ansprechbar war probierte ich ihr gleich alle Paare an.
Mit und ohne Strümpfen.
Bei den Sandaletten bekam ich einen Schwächeanfall und bei den Dianetten war ich der Ohnmacht nahe. Anna, wie die meisten Frauen, liebte natürlich schöne Schuhe über alles.
Bei der Anprobe drehte sie jeden Fuß einzeln, betrachtete ihn von allen Seiten, wackelte mit den Zehen und wunderte sich wieso mir der Schweiß auf die Stirn trat.
Ich sagte zu Ihr: „ Nie wieder Herrenschuhe“!
Sie antwortete: „Nie wieder Herrenschuhe.“
Einige Tage nach unserer Anprobe kam der große Tag an dem wir zum ersten Mal richtig miteinander schliefen. Es war ein Samstag und Anna hatte unbegrenzten Ausgang.
Sie trug Sandaletten, halterlose Stümpfe ( habe ich ihr besorgt ) und ein sehr schickes Sommerkleid, welches sie sich selbst genäht hatte. Meine Eltern waren mal wieder
unterwegs, die Bude war sturmfrei und ich hatte Pizza vorbereitet. Anna deckte den Tisch.
Jedes mal wenn sie, während sie in der Küche hantierte, stehen blieb setzte sie entweder den rechten oder den linken Fuß auf dem Absatz auf und hob die Zehen weit an. In diesen Momenten hätte ich mich am liebsten vor sie auf den Boden geworfen und an ihren göttlichen Zehen gerochen. Seit ich ihr die Schuhe gekauft hatte bot sich keine Gelegenheit mit ihren Füßen zu schmusen.
Nach dem Essen zogen wir uns auf mein Zimmer zurück, hörten Musik von den Allman Brothers und begannen Zärtlichkeiten auszutauschen. Bei dieser Gelegenheit kam ich dann auch zum ersten Mal dazu an Annas Füßen zu riechen ohne dass fremde Gerüche unangenehm auf sich aufmerksam machten.
Anna hatte Füße die auf mich wie eine Droge wirkten. Optisch waren sie ein Genuss, haptisch eine sanfte Sensation, zart, weich und glatt und olfaktorisch suchterzeugend wie Crack.
Ich hatte einmal an ihren Füßen gerochen und war sofort süchtig. Annas Füße dufteten ledrig mit Ahnungen von Hefe und Pfeffer, feucht und salzig und auch sie hatte diesen starken, unbestimmten Duft, den ich erst viel später analysieren sollte und der durch ihre Peromone
bei mir wie ein galaktischer Joint wirkte. Ich war wirklich süchtig nach ihrem Duft.
Während wir miteinander schliefen musste ich immer wieder an ihren Füßen riechen und konnte dadurch immer neue Potentiale aufbauen. Wir entwickelten regelrechte Spezialstellungen. Anna spielte mir mit ihren Zehen oft Theater vor. Sie hatte unglaublich ausdrucksvolle Zehen.
Wenn ich mit Annas Füßen schmuste erregte sie das selbst so sehr, dass sie dann wieder stottern musste . Das machte sie irgendwie verletzbar und weckte Beschützerinstinkte und
führte dazu, dass wir andauernd übereinander herfielen. Sie war eine wahnsinnig süße und begehrenswerte Frau.
Während meiner Klausurprüfungen beim Abitur hatte ich immer ein Paar von Anna `s
getragenen Nylonsöckchen dabei. Wenn ich unter Stress geriet roch ich an ihnen und beruhigte mich sofort wieder, so süchtig war ich nach ihr.
Am liebsten trug Anna zu Jeans dunkelbraune Sportsandaletten, die mit ihren zwei nur etwa 20mm breiten Flechtbändern sehr viel Fuß sehen ließen, und dazu hauchdünne, unverstärkte dunkelblaue Feinstrümpfe oder Söckchen, durch deren Gewebe der feuerrote Nagellack hindurch schimmerte. Ein Bild für die Götter. Sie brachte mich regelmäßig in Verlegenheit
wenn sie in der Öffentlichkeit mit ihren Zehen Turnübungen veranstaltete und ich wie hypnotisiert immer wieder hinsehen musste und regelmäßig den Faden dessen verlor, was ich gerade tun wollte. Anna amüsierte sich köstlich dabei.
Wir liebten uns über ein Jahr, bis sie mir gestand, dass sie in zwei Monaten ein Stipendium in den Vereinigten Staaten antreten würde. Ich war vollkommen ahnungslos.
Als sie sich mir offenbarte, brach in mir die ganze Welt zusammen. Nicht nur weil sie mich verließ, nichts hält ewig, sondern weil sie es mir vorenthalten hatte bis es fast nicht mehr
ging.
Wir hatten ein so ausgesprochen vertrauensvolles Verhältnis miteinander.
Die treibende Kraft waren Anna `s Eltern. Denen war ich mit meinen Architektur - und Designambitionen sowieso ein Dorn im Auge. Annas Vater hatte ihr selbst gegenüber die Zusage des MIT solange verschwiegen wie es möglich war, das erfuhr ich aber erst als Anna schon weg war.
Wir trennten uns kurz und schmerzlos, nach außen hin .
Innerlich hat es uns beide zerrissen. Bei mir ist damals etwas zu Bruch gegangen was mir lange, lange Jahre den Umgang mit meinen Mitmenschen erschwert hatte, Vertrauen.
Anna. Nie werde ich den betäubenden Duft ihrer Füße vergessen.
Anna blieb in den Staaten, sie kam auch nie mehr zurück. Ihre Familie besuchte sie drüben.
Anna arbeitet heute erfolgreich als Professorin für künstliche Intelligenz am MIT.

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