Unser Ziel auf Korfu war ein Bungalowdorf ganz im Norden der Insel. Die Eigentümerin dort ist Rezeptionistin, Organisatorin und Mädchen für Alles in Personalunion. Kurz: sie schmeißt den Laden. Dazu gehört natürlich auch die Begrüßung der Gäste. Sie zeigte uns unsere Unterkunft, erklärte Dies und Das und offerierte die Möglichkeit, den Pool samt Bar des kleinen Nachbarhotels nutzen zu können.
Wir richteten uns erstmal häuslich ein. Dann kam eine Textnachricht auf Dounjas Smartphone. „Anna“ erklärte sie kurz und tippte eine Antwort ein. Im laufe der nächsten Stunde kamen viele Nachrichten an. Dounja verzog, bevor sie antwortete, manchmal ein wenig ihr Gesicht, schüttelte mehrfach den Kopf und zuckte ab und zu mit den Schultern. Auf meine Frage, ob etwas vorgefallen wäre antwortete meine Freundin lediglich: „Ihr Vater hat sich bei ihr wieder mal ausgeheult.“
Bei der letzten Nachricht, Dounja setzte sich sogar um sie zu lesen, kochte das Wasser in der Küche über. Meine Geliebte wollte sich einen Tee aufbrühen und eilte hinüber. Entgegen meinen Grundsätzen, das Telefon meiner Partnerin nicht anzurühren, wagte ich doch einen Blick auf das Display. Anna setzte ihre Mutter unter Druck. Entweder Dounja verlässt mich und geht zu ihrem Vater zurück oder sie (Anna) würde den Kontakt zu ihr abbrechen. „Dann habe ich keine Mutter mehr!“ war ihr Schlusssatz.
Harter Tobak! Bevor Dounja mit zwei Tassen voll Tee in der Hand auf die Terrasse zurückkam, saß ich wieder auf meinem Platz. Ich konnte sie ja schlecht darauf ansprechen. Denn dann müsste ich ja zugeben, spioniert zu haben. Dounja warf noch einmal einen kurzen Blick auf Annas Nachricht und schloss das Programm. Sie starrte für einen Moment ins Leere und schüttelte den Kopf, bevor sie aufstand und die letzten Sachen aus dem Koffer auspackte.
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