Erwachsenen-Abend

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Erwachsenen-Abend

Erwachsenen-Abend

Anita Isiris

Maryam war aber nicht nur wegen ihres Mannes so gedankenverloren. Was sie beschäftigte war die fixe Idee ihres Gatten, sie beide an einen «Trampolinabend für Erwachsene» anzumelden. Die Geschäftsidee war Hermann Hubert, dem Besitzer des Gebäudes, wie ein Blitz durch den Kopf gezogen. Das Konzept der Trampolinhalle war ausgesprochen einträglich: Familien konnten sich einmieten, mit 15 Euro pro Kind. Die Kids durften sich dann für diesen Betrag eine Stunde lang auf unterschiedlichsten Sprungflächen austoben. Die Zeit liess sich natürlich verdoppeln oder verdreifachen, ebenso wie der Preis. Unterdessen sassen die Eltern in besagtem Verpflegungsraum, süffelten Champagner, Kaffee oder Tee und beobachteten ihre Kinder durch riesige Plexiglasscheiben. «Wie Aquariumsbesucher», war die am häufigsten gehörte Bemerkung. Es hatte wohl schon etwas mit diesem Aquarium, in dem sich, Fischen gleich, Kinder zwischen 5 und 14 Jahren auf bunten Sprungmatten, Trampolinen und sonstigen Gerätschaften tummelten, in glitzernden Gymnastik-kleidern, seltenen Zierfischen gleich. Auch ein riesiges Holzrad gab es da, in das man sich einspannen lassen und Runden auf dem quietschenden Hallenboden drehen konnte.

Die Blitzidee, die Hermann Hubert durchzuckt hatte, war folgende: abends, ab 20:00 Uhr, wenn draussen erste Sterne glühten und es bitterkalt war, würde er die Halle für Erwachsene öffnen. Das Geschäftsmodell würde exakt dasselbe sein wie das mit den Kindern, nur würde er pro Stunde nicht 15, sondern gleich 30 Euro verlangen. Dort war allerdings eine Champagner-flûte mit inbegriffen.

«Für Erwachsene» hatte schon im Begriff etwas Anrüchiges, Verruchtes, sexuell Gefärbtes… und das war Hermann Huberts Geschäftsidee: Es würde den Erwachsenen, meist wohl Bewohner der nahegelegenen Agglomeration, gestattet sein, kleiderlos, also nackt, auf den Trampolinen herumzuturnen. Es würde eine einzige goldene Regel geben, wie bei den Kindern auch. Um die Unfallgefahr zu minimieren, durfte niemals mehr als eine Person ein Trampolin bespringen.

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