Es feuchtet

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Es feuchtet

Es feuchtet

Susi M. Paul

Um mich herum feuchtet es. Schweigend verschlungenes Einverständnis. Perlen auf den Schenkeln vor meinen Augen. Was bleibt mir, als gleichfalls zu schwitzen. Überall. Vor Glück lächelndes Zwinkern. Ein Busch streift meinen Busen und hinterlässt seine Spur. Ihr folgt eine Zunge, verharrt auf der widerständigen Spitze. Ein hartes Etwas bedrängt mich im offenen Riss. Meine innere Haut, schon rutschig, schmiegt sich ihm an. Doch es fehlt beiden Früchten an Reife. Sie lassen voneinander. Der Busch rückt höher, ich sinke. Die unabgesprochen-gegenläufige Bewegung gewinnt an Dynamik. Würziges steigt in die Nase, die sich sogleich versenkt. Hilfreiche Finger entfalten das Ziel. Präsentieren die winzige Knolle, zum Verzehren bestimmt. Doch mein Kauen verringert sie nicht, ja sie bauscht sich auf und versteift. Das Zehren trifft die Eignerin, die ruhelos stumm leidet. Ihre Kluft setzt frische Nässe ab, um eine unsichtbare Glut zu löschen.
»Lass ab«, höre ich ein Stammeln. Da erst spüre ich die heiße Haut, die andere, die mich rückwärts umfängt. Der Stab drückt an meinem Hals. Unrasiertes Kratzen fährt über meine Rundungen. Ich werde gespreizt. Von vorne nähert sich Fingertrappeln der Schrunde. Kratzendes Kinn und forschend-streichelnde Kuppen treffen sich zwischen mir. Halten ein. Verständigen sich. Die flinken Glieder sammeln hurtig den inneren Schweiß und schaufeln ihn in den wartenden Schlund. Das Vorgehen hat eine Schwäche. Es kommt zu wenig an. Der Dürstende verlegt sich, mich umbettend, aufs Saugen. Die Finger weichen zurück. Stattdessen greifen zarte Lippen ins Spiel ein. Sie suchen, schnell alternierend, allseits vorhandenen, menschlichen Tau. Im Bächlein inmitten meiner Brüste, am triefenden Mannesstamm, vom sabbernden Winkel meines Mundes, dem es kaum noch gelingt, das Stöhnen zur Kehle zurückzudrängen.
An meine beiden Münder pressen sich züngelnde, bisweilen sanft beißende Pforten. Schmatzen beherrscht das Schweigen. Wie auf geheimen Befehl, ohne Kommando, bewegt sich unsere Skulptur. Nasse Körper gleiten an nassen Körpern. Gruppieren sich um. Mein Gesicht bedeckt nun dichtes Gebüsch. Es ist ausgiebig begossen, erheischt unverhohlen Befriedigung. Meine eigene Höhlung, ihre auf Lust geeichten Nerven, melden starres Eindringen und Füllen. Sehen will ich nicht mehr, nur spüren und fühlen, riechen und schmecken. Ich beginne, mich aufzulösen. Und bin nicht allein. Dicke Tropfen weiblichen Schweißes zerbersten auf meiner Stirn. Die sich entriegelnde Grotte flutet meinen Gaumen. Ich selbst möchte frei sprudeln aus meiner tiefen Schlucht, doch zugleich den unbarmherzigen Spund nicht missen. Mein zusammengepresstes Nass drückt sich, stoßweise, an ihm vorbei, um zum Tageslicht zu gelangen. Und verstärkt damit nur die Ursache des Quellens.
Riechen und Schmecken, mein Fühlen und Spüren wird eins mit unserer Lust. Mit der reinen, ausdünstenden, absondernden und aufnehmenden Begierde. Vorbehaltlose, schamlose Nacktheit. Den Bann brechen wir drei, den Bann des Schweigens. Miteinander, nacheinander, wer weiß das schon. Ich jedenfalls höre die Lust und schreie die Lust im selben Moment. Wellen aussenden und von Wellen getroffen werden, schwemmen und überschwemmt werden. Die Differenzen ebnen sich ein. Gieren und begiert werden. Wollust schenken und Wollust empfangen. Nur das. Ein letztes Saugen, ein letztes Pumpen, ein letztes Seufzen. Dann tritt wieder, für etliche Zeit, feuchtende Ruhe ein. Schweigend verschlungene Ruhe. Ausscheidung an Ausscheidung, Haut an Haut, Glieder an Gliedern, Körper an Körpern.

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