Es tut sich was

Eine nicht alltägliche Ehe - Teil 13

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Es tut sich was

Es tut sich was

Grauhaariger

Gleich am folgenden Tag war Olivia zum Möbelkauf aufgebrochen. Allein. Martin war in der Firma unabkömmlich und vormittags durfte sie keines der Kinder aus dem Hort holen. Leon und Clara brauchten fürs Erste Betten, einen Schrank und, damit es keinen Streit gab, zwei kindergerechte Mal- beziehungsweise Schreibtische. In einem nordischen Einrichtungshaus wurde Liv fündig. Bekanntermaßen sind die Möbel dort allesamt Bausätze. Der Platz in Martins Kombi reichte für den Transport der zerlegten Teile gerade so aus. Und die Matratzen, Liv wusste sich durchaus zu helfen, wurden einfach oben auf das Auto gelegt und mit Spanngurten an der Dachreling befestigt.
Natürlich machte Liv einen Abstecher zum Kinderheim. Der Besuch dort dauerte länger als geplant. Wieder einmal wollte Clara ihre „große Freundin“ nicht gehen lassen. So kam sie praktisch zeitgleich mit ihrem Mann nach Hause.
*****
Patricia und Nils trafen nur wenige Minuten später bei der Wohnung der Anderssons ein. Pat war einfach mitgefahren, als Nils zu seiner Verabredung mit Martin aufbrach.
„Oh, schöne Bilder…“ kommentierte Patricia die Fotos an der Wand, die Olivia sehr freizügig zeigten.
Auch staunte Pat nicht schlecht, als sie Martins und Olivias massives Bett betrachtete. „Muss ja geil sein, da so angekettet…“
„Ist es…“ bestätigte Liv und schlug ihrer Freundin vor, es doch mal zu probieren.
Just in diesem Moment kamen Martin und Nils mit den beiden Matratzen nach oben.
„Ach, ich weiß nicht…lieber nicht;“ hauchte Pat ihrer Freundin zu. „Nicht, dass ich nächste Woche so ein Teil im Schlafzimmer zu stehen habe!“
Olivia nahm die Bilder von der Wand und schlug mit Patricia den Weg zur Küche ein. „Ich habe da so eine Idee…“, hörte Martin seine Frau noch sagen, bevor die Freundinnen aus seinem Blickfeld verschwanden und er mit Nils wieder den Weg nach unten antrat.
Die Pakete mit den Möbelbausätzen standen bereits alle oben in der Wohnung, als die beiden Frauen wieder im zukünftigen Kinderzimmer erschienen. Martin und Nils waren gerade im Begriff, die Ratsche mit der passenden Nuss zusammenzustecken und aus dem Ring/Gabelschlüsselsatz die passenden Größen herauszuziehen.
„Wir würden euch gerne ein wenig motivieren!“, meinte Olivia und schmiegte sich an ihren Mann.
„Du meinst…?“ Patricia machte große Augen, nachdem Liv ihren Vorschlag durch die eindeutige Geste, mit der Zunge ihre Wange nach außen zu drücken, untermauert hatte.
Liv nickte grinsend und zog dabei ihre Augenbrauen nach oben.
„Okay, ich bin dabei! Aber,“ Patricia schaute ihrer Freundin fest ins Gesicht, „Du weißt ja: Finger weg von meinem Mann!“
„Ehrensache! Das habe ich Dir doch schon auf Kos versprochen;“ beschwichtigte Liv und freute sich auf die Gesichter ihrer Männer gleich…
Wie gesagt, als die Beiden im zukünftigen Kinderzimmer auftauchten, drückte sich Olivia sofort an ihren Mann und küsste diesen leidenschaftlich. Auch Pat überrumpelte Nils mit einem Kuss.
„Herr Baumüller…ich darf doch?“ Nach dem Kuss ging Pat ihrem Mann an die Hose. Besser gesagt, sie setzte sich auf das Bett und fingerte sein Glied aus dem Schlitz heraus. Nils schluckte seine im Grunde genommen völlig überflüssige Frage, was das werden solle, sofort wieder hinunter. Mit einem Seitenblick sah er zu Olivia und Martin hinüber. Auch bei den Beiden kniete Olivia in eindeutiger Absicht vor ihrem Mann.
„Das ist ja geil!“ Martin freute sich über diese amouröse Überraschung. Und dass seine Assistentin, die noch vor nicht allzu langer Zeit einen Striptease in seinem Büro hingelegt hatte, dabei mitspielte!
Sehen und gesehen werden. Seit den Tagen auf Kos hatte sich das Liebesleben der Baumüllers stark verändert. Nicht dass sie jetzt in Swingerclubs gingen, nein, aber auch mal Sex auf dem Küchentisch und einen Porno ansehen waren nicht mehr tabu. Besonders Nils hatte sich verändert. Zum einen die Nummer mit seiner Frau neben Pats Chef und seiner damals noch Verlobten und zum anderen der Dreier mit ihm, Patricia und Olivier.
Martin wollte durchaus mehr, wurde aber von seiner Frau mit einem entschiedenen Kopfschütteln und dem Wegschieben seiner Hand eindringlich gebeten, dies nicht zu tun.
Irgendwie beobachteten die Vier sich gegenseitig. Mal ein Seitenblick, mal ein längeres Verharren bei den Geschehnissen des anderen Paares.
„Hmmm, ist der Dickmann…!“, hörte man Pat schwanztoll stöhnen und ebenso fragen: „Hast Du überhaupt noch Blut im Kopf?“
Klar, dass sich Nils revanchierte indem er seiner Frau die heißesten Komplimente zu ihren Mund- und Zungenfertigkeiten machte.
Aber auch Olivia hatte Martins Steuerknüppel, um bei Olivias Leidenschaft zu bleiben, sicher und sehr routiniert im Griff. Wobei mit dem „im Griff haben“ eher sein Gehänge gemeint war, dessen Murmeln Liv liebend gerne mit ihren Fingern kraulte.
Wer von den Herren am Ende tatsächlich als erster seinen Proteinshake in den Rachen seiner Angetrauten gespritzt hatte, war so nicht zu erkennen. Denn beide Frauen schluckten anstandslos alles. Obwohl Nils eher nicht darauf stand, seine Frau mit Rückständen seines Eiweißcocktails im Mund zu küssen, wollte er Liv und Martin nicht nachstehen, die einen leidenschaftlichen Zungenkuss austauschten. Natürlich freute sich Pat, denn das wird er nun hoffentlich öfter machen!
„So meine Herren,“ verkündeten die beiden Ladies im Anschluss, „jetzt könnt ihr ganz entspannt an die Arbeit gehen.“
*****
Nils und Martin hatten zusammen mit Pat und Olivia tatsächlich die Betten, den Schrank und die beiden Spiel- und Basteltische noch am Freitagabend zusammengebaut. Und von Daniela wurden alle vier zum Abendessen eingeladen.
„Wie haben denn deine Eltern auf Leon und Clara reagiert? Und dass ihr sie adoptieren wollt?“ Patricias Frage brachte Olivia ein wenig aus dem Gleichgewicht. „Die wissen noch gar nicht, dass wir die Zwei nächste Woche bekommen…“ Liv war über sich selbst entsetzt, dass sie gestern zwar bei ihrer Airline Urlaub beantragt, aber darüber vergessen hatte, ihren Eltern Bescheid zu sagen. „Meine Mama wusste sofort …als ich ihr von Clara und Leon erzählt hatte, dass ich die Kinder haben will. Und mein Papa;“ Olivia musste erst schniefen und ihre Tränen trocknen, „Ja, die haben sich beide riesig gefreut!“
Olivia hatte bisher keine Chance, mit den Kindern ihre Eltern in Stralsund besuchen zu können. Und da beide zur Arbeit gehen, und Olivias Dienstzeiten ungünstig lagen…jedenfalls gab es bisher kein Kennenlernen. Nur Fotos.
*****
„Kind, ist etwas passiert?“ Verschlafen ging Mareike ans Telefon. Immerhin war es kurz vor Mitternacht.
„Entschuldige bitte, Mama! Aber könnt ihr nächste Woche zu uns kommen? Es ist wichtig!“
„Was ist denn los?“
„Ihr müsst sie doch kennenlernen!“ Olivia wollte ihre Freude unbedingt mit ihren Eltern teilen. „Clara und Leon. Wir bekommen sie! Nächste Woche!“
*****
Alle, die gefragt wurden, waren gekommen, an diesem Samstag, um beim Entrümpeln der Villa zu helfen. Daniela mit ihrem Mann Gerhard, der so gegen Mitternacht von seiner Tour zurück war, Franz Seibold, der unter anderem den Fuhrpark in Martins Firma betreute und inoffiziell größter Fan von Olivia ist. Und nicht zuletzt Patricia und Nils.
Olivia war überwiegend damit beschäftigt zu delegieren, wo etwas hinkommen soll. Das Meiste der übriggebliebenen alten Einrichtung würde auf dem Sperrmüll landen. Vereinzelte Stücke sowie Kellerregale wollten die Anderssons jedoch erst einmal nicht wegwerfen und in der Garage zwischenlagern. Ebenso technische Dinge wie beispielsweise eine alte HiFi-Anlage und zwei Fernseher. Tisch-, Bettwäsche und Kleidungsstücke wurden in große Mülltüten verpackt und der Kleiderspende zugeführt. Für die Küche im Kompletten interessierte sich die Tochter einer Mitarbeiterin aus der Firma. Sie kam zusammen mit ihrem Freund, um diese abzubauen und war damit hoffnungslos überfordert. Aber man half zusammen und so war am frühen Nachmittag das Haus weitestgehend leergeräumt.
„Die zwei Bäder und alle drei Toiletten werden komplett erneuert!“ Martin erklärte in groben Zügen, was in den kommenden Wochen alles passieren würde. Während die Wasser- und Abwasserleitungen alle ersetzt werden, wird es in der Elektroverteilung nur kleine Änderungen geben. Die Böden kommen alle raus und auch die Holzdecken werden ersetzt. Dach und Außenfassade sowie die Fenster mit den elektrischen Jalousien sind Top! Und die Heizungsanlage im Keller bleibt auch erst einmal. Wir überlegen, auf Erdwärme umzusteigen und in Verbindung mit dem Pool muss man dann sowieso einiges ändern.“
Franz Seibold fragte erstaunt: „Oh, einen Pool wird es auch geben?“
Es entstand ein lustiges Gespräch über dieses Detail. Martin brachte seine nackten Poolpartys noch einmal an, worauf Patricia mit: „Mein Mann und ich sind dabei!“, einstimmte.
„Wir auch!“, bekräftigte Daniela und schaute Liv irgendwie lüstern an.
„Und…“, ergänzte Martin, im Keller wird es einen Fitnessraum geben. Ein wenig lärmgedämmt. Mit Dusche und Badewanne. Während Daniela und Liv sich wissend ansahen, entwickelte sich bei Pat und ihrem Mann eine gewisse Ahnung, die sie mit einem lachenden „Aahhh“ bekräftigten.
„Im Schuppen steht ein großer Holzkohlegrill. Und Kohle. Liv und ich würden Euch gerne zum Essen einladen. Es ist abends zwar schon relativ kalt, aber wenn wir draußen grillen und drinnen Essen, sollte das schon gehen.“
Alle halfen zusammen. Für Getränke hatte Martin bereits während der Woche gesorgt. Kistenweise! In dieser Hinsicht sollte es den Arbeitern an nichts fehlen. Alles alkoholfrei. Selbst das Bier. Natürlich wurde auch Frau Seibold dazu geholt und ebenso das junge Pärchen, Jennifer und Sebastian, die die Küche abtransportierten.
Man hatte drei Biertischgarnituren organisiert und alle unterhielten sich sehr angeregt miteinander. Die Kohlen im Grill würden in Kürze soweit angebrannt sein, dass man Essen auflegen konnte. Ohne irgendeine Vorwarnung kam dann Leon um die Ecke ins Wohnzimmer gestürmt. Und gleich danach Clara. Olivia hatte die Kinder geholt. Auch sie sollten beim ersten Grillabend in ihrem neuen Heim dabei sein. Pat und Franz kannten die Kinder von ihren Besuchen in der Firma und begrüßten beide mit offenen Armen. Und Ela war für die Waisenkinder mittlerweile eine vertraute Person, hatte sie doch schon so oft mit ihnen gespielt. Sofort waren Leon und Clara der Mittelpunkt der Party.
„Um sieben muss ich die Kinder zurückbringen…“ In Anbetracht dessen, dass in der kommenden Woche Clara und Leon für immer bei ihnen einziehen, würde Liv das Zurückbringen heute weniger belasten als sonst immer.
Den Job des Grillmeisters übernahm Nils freiwillig. Britta, die Frau des Fuhrparkleiters, hatte allen das „Du“ angeboten und plauderte momentan am Grill ein wenig mit Patricias Mann. „Wie magst Du es denn gerne?“ wurde sie von Nils gefragt.
„Oh, ich mag eigentlich alle Stellungen! Hauptsache ausgefüllt!“ Olivia, die gerade dazugekommen war, lachte in sich hinein. Und Nils entgegnete etwas peinlich berührt: „Ich meinte das Steak…!“
*****
Es war schon spät. Martin hatte seine Assistentin und ihren Mann gebeten zu bleiben, als die Letzten Gäste sich verabschiedeten. „Wir müssen etwas besprechen…!“
Martins Ton wurde ernst. „Clara und Leon gehören sehr bald schon fest zu unserer Familie. Olivia wird in den nächsten Wochen permanent zu Hause sein, um den Kindern ein gutes Gefühl zu geben.“ Liv, Pat und Nils hörten aufmerksam zu. Alle drei sahen Martin an und keiner wagte auch nur einen Mucks. „Und wenn Olivia wieder fliegt, dann will ich mich in der Firma etwas zurücknehmen.“
Olivia und Martin hatten das alles schon so miteinander besprochen und wollten nun versuchen, Patricia ihre Vorstellungen nahezubringen.
„Lange Rede kurzer Sinn,“ fuhr Martin fort, „Ich brauche in der Firma Unterstützung. Jemand, der sich auskennt. Und vor allem Jemand, dem ich zu einhundert Prozent vertrauen kann.“
Martin sah seiner Assistentin in die Augen. „Ich habe an Dich gedacht!“
„Puh…“ Pat blies Luft durch ihre Lippen. Sie war doch schon von der Sekretärin zu Assistentin aufgestiegen. Mit einem traumhaften Gehalt…
„Du bekommst Prokura. Wir stellen eine Halbtagskraft für die Schreibarbeiten ein. Ich möchte allerdings, dass Du das Organisatorische wie bisher weitermachst. Du bekommst fünfzig Prozent mehr Gehalt und eine gewinnabhängige Jahresprämie.“
Patricia war baff. Nein, sie würde jetzt nicht Franziska von der Buchhaltung für den Job vorschlagen. Martin hielt sie für die Geeignete. Pat schaute ihren Mann an. „Sag doch auch mal was!“
Martin war klar, dass Patricia mit seinem Angebot ihren Mann gehaltsmäßig überflügeln würde. Aber ihr deswegen weniger anbieten? Martin wusste, dass Patricia gut ist und die perfekte Besetzung für diese neue Stelle. Sie lag mit ihren Analysen immer richtig und hatte oftmals richtig gute Ideen.
„Einen Haken hat das Ganze aber.“ Martin schaute abwechselnd in die Gesichter des Ehepaares. „Ich brauche deine Antwort in wenigen Tagen. Sonst muss ich mich anderweitig umsehen.“
„Eine Sekunde, ja!?“ Pat bat ihren Mann in den Garten.
Etwa zehn Minuten später wurde die Schiebetür von der Terrassenseite aus geöffnet. Patricia und Nils kamen auf Martin zu. „Bekomme ich meinen alten Job zurück, wenn ich das Ganze nicht packe?“
„Ja, natürlich!“ Olivia hatte das Wort übernommen. „Darauf habe ich schon gedrungen. Und das wird auch in deinem neuen Vertrag so drinstehen!“
„Euer Wort genügt mir vollkommen…“ Pat setzte sich wieder auf ihren alten Platz. „Nils sagt, so eine Chance bekomme ich nie wieder.
„Da hat er wohl Recht!“
Martin zog aus einem abgedeckten Korb eine Mappe hervor. „Dein neuer Arbeitsvertrag. Lese ihn in Ruhe durch. Es ist keine Falle eingebaut. Versprochen!“
„Gib schon her!“ Pat war in ihrem Element. Ohne zu zögern oder auch nur ein Wort zu lesen setzte sie ihren Servus unter das Dokument. Eine Frage hatte sie allerdings: „Wessen Idee war das, mir diesen Posten anzubieten?“
„Martin wollte Dich schon länger fragen, gerade als er gesehen hatte, wie engagiert Du jedes Detail unserer Hochzeit organisiert hast. Und das so „nebenbei“ und nicht als dein eigentlicher Job! Ich habe meinen Mann nur ein bisschen anstupsen müssen…“
„Ach ja,“ fügte Martin an, „wie Du weißt, kooperieren wir mit zwei Automarken beziehungsweise -häusern. Such dir ein Fahrzeug aus. Vierzigtausend stehen Dir zur Verfügung. Auch die zweite aparte Geschäftsführerin braucht einen adäquaten Wagen!“
In dem Korb befand sich neben vier Gläsern auch eine Flasche sehr teuren Sektes. Martin war nicht so der Champagnerfan. Und als jeder ein gefülltes Glas in der Hand hielt ließ es sich Olivia nicht nehmen, Patricia im Kreise der Geschäftsführung der Gassner GmbH ganz herzlich zu begrüßen und ihr vor den Augen der beiden Männer ein Küsschen auf die Lippen zu drücken.
„Martin,“ meinte Nils, „mir geht es wie Dir! Meine Frau ist die Überfliegerin…!“

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