Ralph hatte mit ihr also drei süsse Kinder gezeugt – zwei Jungs und ein Mädchen – und war seinen Vaterpflichten auch über Jahre tapfer gefolgt. Dann eben hatte ihn diese Midlife-Crisis zerrissen und er überliess Esther in Gedanken immer häufiger anderen. Auch Esther hatte sich von ihrem Ralph innerlich entfernt und zeigte sich der Nachbarschaft auf dem Balkon, am offenen Fenster oder im Keller des bescheidenen Mehrfamilienhauses. Das blieb nicht ohne Wirkung. Immer mal wieder wurde sie auf offener Strasse angesprochen, und Esther fühlte sich endlich begehrt. Sie kokettierte mit den Männern im Quartier, liess aber nicht gleich jeden an sich heran – allzu billig wollte sie denn doch nicht erscheinen. Aber dann, als auch Klein-Sabine das Haus Richtung Kindergarten verliess, liess sie sich vom Hauswart auf der Werkbank vögeln, zwischen Elektrobohrer und Schaubstock. Gleichgültig und hart ging er vor, als wäre Esther eine Gummipuppe, spritzte auf ihrem Bauch ab und entfernte sich mit verächtlichem Grunzen. Esther war tief verletzt, nahm sich aber vor, sich am Rest der Männerwelt – aber auch an ihrer Familie – zu rächen, indem sie sich immer öfter spontaner Lust hingab, unter dem Motto „wenn doch bloss einer käme und mich nähme“. Sie kamen, die Männer, und sie nahmen sie. Feurig, gelangweilt, locker aus dem Stand, von hinten, in Missionarsstellung, auf dem Küchentisch oder auf der fleckigen Couch. Esther öffnete sich. Wie eine Blume. Wieder und wieder. Wurde unersättlich, konnte den nächsten Fick kaum erwarten.
Ralph, der hie und da nach seinen Kindern sah, entging Esthers Wandlung nicht. Sie wirkte heiss, fickrig und obszön. Ralph aber liess sie nicht an sich ran. Sollte er doch ein wenig leiden – bestimmt war er die ganze Zeit über hinter fremden Frauen her. Als dann aber am Abend, nach dem Handballtraining, am Stammtisch das Gespräch auf Esther kam und die halbe Mannschaft sich gegenseitig zuzwinkerte, hatte Ralph Gewissheit.
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