Mein letztes sexuelles Erlebnis lag bereits mehrere Wochen zurück, weil ich mich erst in Zakynthos in Schreibklausur begeben hatte, und darum zündete der Birnenpo sofort wilde Phantasien in mir. Er, der Blonde, war bestimmt sehr heiss auf sie. Das konnte gar nicht anders sein. Und sie? War sie kokett? Oder gab sie sich ihm einfach hin? War sie eine Frau, die sich “nehmen” liess, oder eine, die einforderte?
Ich beschleunigte den Schritt, um das Paar nicht aus den Augen zu verlieren. In wenigen Minuten würde ich meine geliebte Taverne erreichen, wie immer Quellwasser und Brot bestellen und auf der grosszügigen Veranda die Abendsonne geniessen, die die gelb-braun-Töne der geliebten Gegend in besonders warmem Licht erscheinen liess.
Dann stutzte ich. Das Paar vor mir blieb stehen, und beide beugten sich über ein Stück Papier. Worüber sie diskutierten, bekam ich nicht mit – die Sprache, in der sie sich unterhielten, ebenso wenig. Aber mir war klar, dass die beiden etwas suchten. Ich näherte mich den beiden. Mein Herzklopfen liess sich nicht unterdrücken; es war, als hätten mich die beiden bei meinen erotischen Träumereien ertappt. “Sprechen Sie deutsch?” Die Frage elektrisierte mich. Der Blonde war Deutscher und entsprach zu 101 Prozent dem, was ich mir unter einem gut aussehenden, kerngesunden, vielleicht etwas arroganten Norddeutschen vorstelle. Obwohl ich natürlich weiss, dass Norddeutsche überhaupt nicht arrogant sind. Sie sind bloss sprachlich überlegen (es gibt kein schöneres Deutsch als das der Hannoveraner). Damit muss der Rest der Welt einfach klar kommen. Zudem verzichten Norddeutsche in aller Regel auf Gefühlsduselei. Kommen rasch zur Sache. “Wir suchen Le Beaujolais. Kennen sie die Taverne?” fragte er.
Die Frau schien tatsächlich eine Latina zu sein, eine mit heller Haut. Sie flüsterte ihrem Partner auf Spanisch etwas zu. Ich konnte nicht anders, musste sie mustern.
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