Eva

3 5-9 Minuten 0 Kommentare

Schon eine viertel Stunde beobachtet er, sein viertes Wahrsteiner süffelnd, den Tanz des Mädchens im bunten Lichtgeflimmer. Sie hat er sich ausgesucht. Auch die anderen streift er ab und zu, lässt seine Blicke an ihren rhythmisch bewegten Körpern entlanggleiten, über rote Netzstrümpfe, schwarze Miniröcke, hautenge T-Shirts und halterlos hüpfende Hupsassas zu den hübschesten Gesichtern mit fliegender Mähne, baumelnden Zöpfen und kurzen, um den tanzenden Kopf huschelnden Haaren. Auch schwarzer Stiefelschaft auf nackter Wade, Turnschuhe ohne Strümpfe, die Knöchelchen gut sichtbar, Ringelstrümpfe, nackte Arme mit grellgelben Handschuhen, Blick aufs Achselhaar, schlanke Schwanenhälse und entdeckt zuckender Bauchnabel. Eine wogende Flut blitzender Reize strömt in sein Auge, weibliche Gestalten wogen auf im flimmernden Halbschatten der Menge, glänzende Haut, schlängelnder Leib, schwankende Brüste, getrieben von Bässen die schwingende Hüfte. Nachthexen, trancierter Blick im bunten Nebeldampf. Dahinter und dazwischen der bewegte Hintergrund des Seele peitschenden Bildes, die bemüht strampelnde Füllmasse: Männer.
Doch immer wieder kehrt er zu ihr zurück. Zu ihren roten Schuhen, die sich flink über den dunklen Boden bewegen, rutschen, fliegen, stampfen, zu ihren schwarz bestrumpften Beinen, den funkenden Waden, den lachenden Knien, zurück zu ihren lebhaft tanzenden beiden Schenkeln, die, mit einem wechselnd breiten Abstand zwischen sich, heimlich unter ihrem grün glitzernden Röckchen verschwinden. Entblößte Arme nach oben gestreckt, hinauf zum blinkenden Disco-Himmel, hellrote Haare heißflammig die nackten Schultern hinab. Und ihre saugend schönen Brüste singen ihm ein stummes Lied zum kräftigen Stampfen der dröhnenden Boxen. Da huscht ein buntes Häschen vorbei, ihre Hallo-Hüpfer schicken einen federnden Gruß, auch ihr Hintern grinst ihm zu, und - schwupp - ist es verschwunden..
Das ist ein Zeichen. Benno trinkt das Bier in drei langen Zügen leer, haut das Glas auf die Theke und springt schwungvoll vom Hocker. Benno, die schnappst du dir. James Bond der Erotik, stets einsatzbereite Geheimwaffe, ausfahrbare Glücks-Kanone, unschlagbar. Na, los! Mit festen Schritten, cooler Mine, trittst du auf die Bühne, beginnst unvergleichlich zu tanzen. Beachtest sie gar nicht, hast du nicht nötig, männlich, attraktiv mürrisch. In den Augenwinkeln die roten Flammen, das glitzernde Grün. Sie dreht dir den Rücken zu. Hat dich wohl noch nicht bemerkt. Du tanzt dich nach vorn, lässig, lächeln kann nicht schaden. Sie wendet sich ab, dreht dir ihren Arsch zu. Eine Aufforderung. Wieder tanzt du dich in Front. Mehr phantasievoll jetzt, interessant ausgefallene Bewegungen, sehr originell. Eiskalt sieht sie durch dich hindurch. Will dich beeindrucken. Noch einmal ziehst du deinen Kreis um sie, Angriff von vorn, wacker auf sie zugetanzt, näher und näher, das findet sie mutig, findet sie stark. Sie verlässt die Tanzfläche und geht zur Theke, will also, dass du ihr folgst.
Der Hocker neben ihr ist besetzt, ein älteres Männchen sitzt drauf, reicht Benno vielleicht bis zur Brust. “Hey, das ist mein Platz.” Das Männchen schaut zu ihm auf, seine Brille blinkt im Neonlicht. Erst zieht er die Schultern zurück, dann zieht er sich zurück. Sie hat zwar nicht hergeschaut, aber im Spiegel muss sie es gesehen haben. Tja, er ist nun mal der Stärkere. Der Bessere. Einfach top. Ein Rotwein wird ihr gebracht. “Ich zahle den Wein, und für mich ein dunkles Hefe!”, brüllt er durch die laute Musik über die Theke. Der Typ nickt Verständnis und wendet sich wieder ab, ohne ihr Handsignal zu bemerken. Sie lässt den Wein stehen, sieht auf die Tanzfläche und zieht eine Zigarette aus ihrer Brusttasche. Sofort steht Benno neben ihr, voll entflammt sein Feuerzeug. Doch sie nimmt ihr eigenes und zündet sich die Zigarette selbst an, dreht sich zur Theke. So, so, will also reizen. Bin keine leichte Beute. Schon verstanden. “Hallo, ich bin Benno!”, ruft er ihr ins Ohr, das Gesicht, den Oberkörper dicht zu ihr hin geneigt. Jetzt kommt der Typ und stellt ihm das Hefe hin. “Ich zahle mein Getränk selbst!”, brüllt sie über die Theke und schiebt ihm drei Euro rüber. Der Typ guckt fragend zu Benno hin, die Münzen in der Hand. Der winkt ab. Die kann er behalten.
Die Ellenbogen auf die Theke gestützt betrachtet er sie im Spiegel. Sie guckt in den Aschenbecher. Fünf Minuten. Benno setzt das Glas an und trinkt den ganzen Rest in einem Zug aus. Stark. Mit einer festen Bewegung haut er das Glas auf die Theke, und immer noch schwungvoll springt er vom Hocker. Und schwingt weiter, schwankt sich seitlich neben sie, stützt seinen Arm auf die Theke, das Kinn in die Hand, den anderen Arm stemmt er in die Seite und ohne noch lang zu fragen dringen seine fingrigen Augen frech fordernd in sie ein. Sie bläst eine graue Wolke in die Luft und liest die Etiketten der Flaschen im Regal. Eine Minute. Zwei Minuten. Viele Flaschen im Regal. Langsam hebt er seinen Arm, hebt ihn über ihren Rücken, die Hand über ihren Nacken, dann senkt er sie, legt die Fingerspitzen auf ihren Hals und krabbelt die Wirbelsäule entlang bis runter zum Gesäß, wo er die flache Hand auflegt und sie sachte über den Rock streicht.
Rums - fliegt der Barhocker auf den Boden. Ruckartig hat sie sich ihm zugedreht, Hackebeile, Knochensägen und Flammentod in den Pupillen. Erschrocken springt er zurück - peng - an den Hocker. Ein bärtiger Mann sitzt neben ihm an der Theke und guckt genauso verdutzt wie Benno. “Was glotzt du so?” Der Bart legt sich wieder auf den Pulli. Benno bückt sich ohne sie anzusehen und stellt den Hocker wieder hin, den Blick fest auf die Sitzfläche geheftet. Doch er spürt, sie ist noch da. Hinter ihm. Langsam dreht er sich um.
Da steht sie vor ihm, Haare wie Lavaglut, eine Augenhöhe, doch größer. Soll das etwa ein Lächeln sein? “Okay.”, brüllt sie ihm zu und fasst sein Handgelenk. “Wie du willst. Gehen wir!” Willig wunderlich lässt er sich ziehen durch die Menge, zum Ausgang, auf die Straße in die Nacht. “Äh...!” - “Quatsch nicht!”, ist ihr einziger Dialog. Zu einem kleinen Hotel führt sie ihn.
Hinterm Hintern her hoch die Treppe.
Ohne weitere Umstände wirft sie ihren Fummel von sich, den grün glitzernden Rock, den wie Fledermausflügel am Rücken flatternden schwarzen Fetzen, die roten Schuhe, auch das Höschen zuletzt und legt sich, nur noch mit schwarzen halterlosen Seidenstrümpfen bekleidet, auf das mit rosa Satin bezogene Doppelbett.
“Ouuuuuuuuuuuuuu...”, heult ein Wolf in seinem Bauch, doch nur “...hhhhhuh...” hubbst aus dem offenen Mund. Rücklings liegt sie vor ihm, seine nächtliche wie-was-huch?- Eroberung, die Beine entzückend obszön gespreizt, rote Flammen in der Schenkelmitte und winkt ihm mit der nackten Hüfte. Johannes will sofort sehen was da los ist. Taufe vielleicht? Neugierig reckt er den Kopf aus der aufgeknöpften Hose. Schnell raus aus den Klamotten. Zack - zack - nackicht bist du. Stellst den Fuß auf das Bett, zwischen ihre offenen Beine. Von oben schaust du herab auf ihren zartbrüstigen Engelskörper, vom Himmel gefallen rücklings in dein Wackelbett, die weltlich profan irdisch lockende Leibesöffnung unverhüllt reizend, frei zugänglich dem fremden Besucher. Nicht zögern möchtest du, dich an ihrem so einladend ausgebreiteten Leibesschatz ausgiebig zu bedienen, drückst deine Knie in die Matratze zwischen ihren Schenkeln, küsst die roten Flammen den Hügel hinauf, küsst ihren Nabel, ihre Rippen, die zierlichen Brüste, das Brustbein, die Schultern, den Hals, schiebst dich auf ihren Bauch, hebst die Hüfte und schaust ihr tief in die Augen, dein Holdrio mit roter Nase dicht vor ihrem Schacht schwebend. Da grinst die Schöne spöttisch aus ihrem Strom von Lavagluten. “Na, jetzt hast du ja was du wolltest! Na denn mal los, lass mich deinen Schwanz mal spüren! Steck ihn schön tief rein. Fick mich mal richtig kräftig durch, mein Hübscher!” Na gut. Du senkst die Hüfte bis du ihre Lippen weich gegen deine Spitze drängen fühlst, rutschst die Spalte entlang zur Mulde, schiebst deinen Arsch weiter vor, und jetzt siehst du ihres Mundes lieblich Lippen lautlos ein O formen. Nun grinst auch du und drängst dein Becken gegen ihren Leib bis dein Haar in ihrem knistert. “...hhh...”, hörst du sie unter dir und langsam beginnst du dein Geschlecht in ihr zu reiben.
Doch auf den Mund lässt sie sich nicht küssen. Seinen Versuchen weicht sie aus, nur über die Wangen lässt sie sich mal lecken, auch ihr Kinn nimmt er mal in den Mund. Dann stemmt er sich hoch, die Handballen neben ihrem Brustkorb ins Betttuch gestützt und schwingt seinen Arsch beherzt zwischen ihre Beine. “...h ... hh ... h... h ... h ...” - macht er fröhlich und - “...h ...h ...h ...hua?- stockt er plötzlich, reißt die Augen auf, die Kiefer auseinander und krallt die Finger in das Laken. Und mit einem Mal brüllt er los mit tierisch röhrender Kehle durch die Tür den Gang hinaus, die Treppe hinunter: “...huooorg...” - oder so ähnlich - Panisch reißt er sein Becken in ihren kräftig klammernden Schenkeln herum, doch zu fest steckt er drin, mit aller Gewalt in den Schoß gepresst. “Hah - verflucht - was... uo - neiiiiin...” Rasend versucht er sie abzuschütteln, zappelt wild in ihrer Schere, doch wie verwachsen klebt ihr Unterleib auf seinem, hebt sich mit in die Höhe und kracht mit ihm wieder zurück ins Bett. “... hah - hah - lass mich los - oua - verdammt... hhoh...” - “...ha-ha-ha-ha-ha...”, rauscht es boshaft zurück. Jetzt fasst er ihre Füße und zerrt sie ächzend vom Rücken. Mit einem Ruck seiner Hüfte flutscht er heraus, springt auf, raus aus dem Bett und starrt mit hervorquellenden Augen auf seinen Schwanz, um den sich feucht glänzend ein schwarzes, rot gepunktetes Reptil schlängelt. “...hah-hua-oh...” Die Zähne spitz in die Eichel gebohrt spritzt es ihr Gift in seinen Lebensspender. “...ou-ou-ou-ou...”, hüpft er wie wahnsinnig im Zimmer herum und schlägt rasend auf seine Rübe ein, bis das Schlangenviech herunterfällt und husch, husch unters Bettchen kriecht.
“...hhh...” Mit offenen Händen und krummen Rücken steht er da, totenblass erstarrt, von ihrem Gelächter reichlich übergossen. Das ganze Bett zittert, ihr nackter Leib vibriert vor Lachen. Seine Schenkel beben, die Hände flattern und endlich reißt er sich los. Mit Sausen in den Ohren rafft er Hose und Schuhe vom Boden, stürzt zur Tür heraus, macht einen Purzelbaum die Treppe hinunter und zieht stolpernd vor dem staunenden Portier die Hose über die baumelnde Gurke. Barfuß, die Schuhe in der Hand stürzt er auf die Straße. Eva, noch immer grinsend, schließt oben die Tür.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3056

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben