Exhibitionismus der introvertierten Art

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Exhibitionismus der introvertierten Art

Exhibitionismus der introvertierten Art

Weidenkätzchen

Ich muss auch grinsen, nein richtiggehend lachen, weil die Situation mir so gefällt und weil sie mich so maßlos erregt.

Wir beschließen, dass es unauffällig genug sein müsste, wenn ich Dir ein bisschen aus meinem Buch vorlese, so lange es noch hell genug ist. Du liegst betont lässig mit hinter dem Kopf verschränkten Armen vor mir. Irgendwann suche ich extra nach den schlüpfrigen Stellen im Text und freue mich über jede Regung in Deinem Gesicht. Und natürlich müssen wir uns hin und wieder etwas bewegen, die Position minimal verändern - und es ist eine Herausforderung, es damit nicht zu übertreiben. Dass auch öfters andere Personen ziemlich dicht an uns vorüber gehen, sehe ich erst nur aus den Augenwinkeln, ich traue mich anfangs nicht, mich offen umzublicken, und jedes Mal schießt mir die Röte ins Gesicht. Doch dann fängt es an, mir Spaß zu machen, und immer wieder zwischendurch beobachte ich die Menschen, während ich dich in mir spüre. Diese Mischung aus Intimität und Öffentlichkeit macht mich verrückt, und ich glaube, Dich macht sie auch verrückt.

Als es endlich dunkler wird, sind wir nicht nur bereits maßlos aufgeheizt, sondern fühlen uns, als wären wir vollständig miteinander verschmolzen. Die Menschen werden weniger, die Familien verschwinden, die Kinder, die Hunde. Nicht allzu weit von uns, aber weit genug entfernt, wird ein Lagerfeuer entzündet, man hört das Reden, das Lachen, Musik. Und endlich trauen wir uns, uns etwas mehr zu bewegen, Deine Hände sind wieder unter meinem Rock, auf meinem Hintern, zwischen meinen Schenkeln, an meinem Kitzler, unser Stöhnen ersticken wir in einem Kuss.

Wer weiß, vielleicht sieht uns im Schutz der Dunkelheit ja doch jemand zu?

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