Fahrt ins Graue

Ehemann und Liebhaber - Teil VIII

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Fahrt ins Graue

Fahrt ins Graue

Madam Lasterhaft

Die Schutzhülle unseres freiwillig gewählten weihnachtlichen Exils im vierhundert Kilometer entfernten Dresden löste sich langsam wie der dichte, graue Nebel auf, der auf den Feldern von der mächtigen Sonne getilgt wurde. Ein paar einzelne Bergspitzen lugten über dem Nebelfeld heraus. Im Eiltempo zogen wir an der Landschaft vorbei. Mit jedem Meter näher an unserem Ziel wich etwas von meinem Urlaubsgefühl und verflog auf Nimmerwiedersehen. Den letzten Rest der Romantik vertrieb ein rustikal angefertigtes Plakat über den verzweifelten Versuch, etwas Stimmung in den ländlichen Raum zu bringen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen auf dem Land lebenden Lesern in aller Form entschuldigen. Bei mir hat die Weisheit etwas nur lange genug zu betrachten, um Gefallen daran zu finden leider nicht funktioniert. Ich freue mich für alle, für die es ein erfülltes Leben in der Schönheit der Natur ist.

Zurück zum Urheber des Banners. Die Feuerwehr taugt im Zweifel halt doch mehr zum Löschen von Feuerstellen und Helfer in der Not als zur geschickten Vermarktung von Festivitäten. Man sollte vielleicht erst einmal auf einem Objekt üben, die angewandte Gestaltungstechnik hinterfragen, bevor man einmal im Jahr eine Spraydose in die Hand nimmt um damit ein unschuldiges, weißes Banner zu beflecken. Im Prinzip war es ein offenes Geheimnis, dass bei der Gattung des beworbenen Festes keine großen intellektuellen Erkenntnisse zu erwarten waren. Natürlich lasse ich mich da gerne belehren und überraschen. Ich sah in meinem inneren Auge die Landwirte der Gegend, wie sie mit ihren Traktoren die dazugehörenden schweren Strohballen stapelten, das Banner befestigten und sich gegenseitig mit den klimpernden Bierflaschen zugeprostet hatten. Seien wir ehrlich. Mehr steht bei Festen dieser Art der schlichte Konsum von Alkohol im Vordergrund mit all den daraus resultierenden Konsequenzen. Dafür passte das Werbungsmittel der Wahl wieder erschreckend gut.

So bogen wir nach der Autobahnausfahrt in eine Seitenstraße ein und ließen die Baumkronen der Eichenallee sich schützend über uns legen. Könnte ich doch nur für einen Tag hierbleiben unter diesen mächtigen, zeitlosen Bäumen. Leider musste es weitergehen. Wir fanden wir uns zur Abhaltung der zeitlich versetzten Weihnachtsfeier in meinem ehemaligen Heimatdorf bei meinen Eltern wieder. Zusammen saßen wir an dem Tisch, an dem mir gesagt wurde ich müsste gehorchen, solange meine Beine hier sein würden. Gerade fühlte ich mich wie ein Flummi, der am Band zurückgezogen am Schläger bzw. unter der Tischplatte haftet. Ich versuchte es mit etwas Unverfänglichem, wir sprachen über die aktuellen Begebenheiten. Als diese Pflicht getan und die Geschenke getauscht waren streiften wir allein zu dritt ohne Großeltern über die weiten Felder der Umgebung. Zum Glück war heute kein Sonntag, der in lauten Glocken dazu aufrief zur Messe zu gehen, um sich von der Dorfbevölkerung taxieren zu lassen. Es war ein trockener, bislang schneeloser Januar. Und das im Voralpenland! Früher hätte ich das nie für möglich gehalten, wo ich mich doch durch Schneeberge in die Schule gearbeitet hatte und erst einmal eine Stelle finden musste, um Schutz vor dem umherfahrenden Schneepflug zu suchen.

Wir streiften in langsamen Schritten an den Stacheldrahtzäunen, die an windschiefen Holzpfosten befestigt waren an einem Dreiseithof vorbei, dem die Jahre seitdem ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, nicht zugutegekommen waren. Windschief waren hier nicht nur die Pfosten, sondern auch die Fahrbahnmarkierung. Da hatte wohl jemand zu viel Hochprozentiges oder zu wenig Schlaf intus gehabt, um den linienbreiten Konstant-Halter so zu bedienen, damit er nicht verwackelte und für Jahre stumme weiße Zeugen dieser stümperhaften Arbeit zu hinterlassen. Wie ich es von früher kannte, war dieser unglückselige Jemand auf Jahre hin verlacht. Privatleben. Fehlanzeige auf dem Land.

Wie ein grauer Schleier wirkte die gesamte äußere Erscheinung des Hofes. Die Fassade war porös und voller Risse, in der Dachrinne sammelten sich Moos und Gräser. Trotz Schneelosigkeit war es erstaunlich kalt. Einige Eiszapfen ragten ellenbogenlang wie durchsichtige Dolche nach unten. Jederzeit bereit, herunterzuschießen und klirrend in viele Stücke zu zerbrechen, die sich in alle Richtungen zerstreuten wie zu Boden gefallenes, schweres Glas. Das große Scheunentor stand sperrangelweit offen. Ein paar lange Halme lugten vom Heuboden aus ins Nichts. In den winzigen Sprossenfenstern des Wohnhauses hingen noch Häkelgardinen, deren Borte verblichene Kunstblumen umrandeten. Mehr Details, die auf eine Bewohnung schließen ließen, waren von der Straße aus nicht auszumachen. Ich überlegte, ob ich einen Blick hineinwagen sollte. Der Ort war geladen voller kindlicher Erinnerung. Hier lebte lange Zeit eine Familie mit vielen Kindern. Wir zogen fürs Erste weiter.

Im Elternhaus angekommen wanderten wir die kalten Marmorstufen in Richtung meines ungeheizten Mädchenzimmers hinauf. In dieser Gegend wurden zu meinen Kindertagen die Sanitärräume und Schlafzimmer höchst selten beheizt. Und so war es jetzt auch. Nachdem dieses von Matteo von den ganzen in den Ecken hängenden Viechern befreit wurde, betrat ich meine Kammer. Im oberen Geschoss zeigte ich meinem Liebsten vergnügt meine Fotos aus Kinder- und Jugendtagen. Bikini. Erstes Tanzkränzchen. Das Übliche. Ich öffnete die Spiegeltüren meines sechstürigen Kleiderschrankes und warf mich in meine besten Partydresses und kleinen schwarzen Kleidchen. In der oberen Reihe war sogar ein mindestens neunzig Jahre alter Hochzeitszylinder, der mir zwei Generationen später super stand. Ich liebte die Regelmäßigkeit des Bezugsstoffes unter meinen Fingerkuppen. Mit vornehm bedachter Haltung griff ich zu meinen schwarzen Lederstiefeln und schnürte sie um meine Waden. Etwas Schimmerndes lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich zog meinen klimpernden Bauchtanzgürtel am Ende der goldenen Einfassung hervor, knotete ihn zusammen und ließ die Münzen um meine Hüften herum wackeln. Meine wilden Haare flogen umher. Matteo fing lachend den Zylinder auf, als hätte er es kommen sehen. „Du wildes Mädchen!“, rief er begeistert. „Psscchhh.“, antworte ich. Ich setzte mich auf seinen Schoß. Ich umgarnte meinen eigenen Mann! Es saß breitbeinig auf meinem Bett zusammengehalten von meinen Oberschenkeln und ließ sich das nur zu gerne gefallen. Gerne sah und fühlte er sich als bestiegener Zuschauer. „Mein Schwanz soll deine Bühne sein.“ flüsterte er mir verboten ins Ohr. Ich fühlte seine Hitze als ich mich hautnah an ihn schmiegte seinen Hals küsste und von seinen Fingern an der Wirbelsäule entlang vorsichtig gehalten wurde. Als hätte er Angst ich würde an seiner männlichen Kraft zerbrechen. Meine Lippen küssten ihn. Gaben ihn frei, ich wendete mich sogleich dem nächsten Shimmy zu. Mein Schoß war wie in Lustflammen getaucht und waberte. Ich wollte noch zeigen, was ich draufhatte. Nicht korrekt mit Schuhen statt unbesohlt barfuß. Aber die Damen im Orient hatten wahrscheinlich auch keine Einschränkungen mit klirrend kalten Füßen zu ertragen. Seine groben Finger versuchten mich zu fassen. Mein Becken dankte den lockeren Schwüngen, indem es immer mehr Verspannungen losließ und in anderen neuen Radien zu bewegen war. Groß. Klein und wellenförmig. Matteo küsste mich, berührte mich lieblich an meinen in einen dünnen Bustierstoff gehüllten Brüsten. Auch die zahlreichen kleinen Strasssteinchen befühlte er, als wären diese von höchster Güte und Qualität. Ich legte mich in seine Arme. Küsste ihn sinnlich und ließ mich von seinem gestutzten Dreitagebärtchen ein wenig ärgern. Dann nahm ich mit meinen Fesseln Schwung, weil mir ein ganz und gar wunderbarer Gedanke kam. Hier in diesem Zimmer der Vergangenheit gab es noch mehr zu entdecken als verruchte Hobbys oder die Poster von dunkel angehauchten Bands der Gothic-Szene.

Unten im Schrank waren Mappen, Zettel, alte Skizzen der Zeit in der ich als Aktmodell ein paar Groschen und eine Menge Spaß eingesammelt hatte. Dahinter verbarg sich, wie erwartet ein mattes silbernes Case, welches ehemals CDs beinhaltet hatte in Größe einer doppelten Geldschatulle. Ich fasste den glatten Hochglanzgriff, strich den waagerechten Einkerbungen entlang. Hob es hoch. Es war schwer. Das silberne, eingelassene Schloss glänzte mich an. In dem Moment wurde mir klar, was das war. Ich dachte ich hatte das restlos geleert vor meinem Auszug! Meine erste Toy Sammlung! Diese war in sorgsamer Auswahl neben einem Wasserkocher zur eigenen Versorgung mit köstlichen Gewürztees vom ersten Gehalt mit siebzehn jungen Jahren angeschafft worden. Ich kam nicht weiter mit meinen Gedanken, weil ich in meinen feuchten Labien den Vorstoß frecher Finger fühlte. Leicht drangen diese in mich ein. Fixten mich an. Ich quittierte mit einem leisen Raunen. Wie automatisch drängte ich mich etwas näher an die Schätzchen. Mein Matteo verstand die ideale Biegung derselben. Lockte in mir weitere Lustwellen hervor. Ich ließ mich gehen und fallen. Pause. Doch Matteo war angespannt, horchte wie ein Reh auf der Lichtung welches Geräusch da zu vernehmen war...

Ich hörte den knackenden Unterboden. Ein Geräusch, das mich sogar aus dem Schlaf holen konnte. So wichtig war es für meinen jugendlichen Kopf damals jahrelang gewesen. Es bedeutete meistens Fummeleien an sich oder anderen umgehend einzustellen. Ich drückte den Koffer nach hinten in den Schrank. Es war Zeit noch einmal nach unten zu gehen in die wohlige Wärme. Matteo ließ sich nicht lange bitten und ging zum Gang, während er mir noch eine Millisekunde langen erregten Blick zuwarf, als ich mir schnell etwas überstreifte und aus den engen, langen, schwarzen Stiefelschaften in meine korkbesohlten Hausschuhe schlüpfte. Seine Silhouette überdeckte den direkten Blick von außen auf mich als er hinausspähte. ER begleitete die Person nach unten. Mein Handy vibrierte „Lass dich nicht stören bei der Inbetriebnahme deiner freundlichen batteriebetriebenen Helfer. Ich hoffe, ich komme heute Nacht in den Genuss einer Vorführung der besten Stücke. In Liebe. Matteo.“

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