Der Fall des Engels in die Untiefen Sodoms - Kapitel 8

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Der Fall des Engels in die Untiefen Sodoms - Kapitel 8

Der Fall des Engels in die Untiefen Sodoms - Kapitel 8

Cyraxis

Rotes, pulsierendes Licht erfüllte den Raum, riss mich aus meinem tiefen Schlaf.
Erschrocken blickte ich mich in meinem sonst dunklen Wohnzimmer um und sah diese Gestalt hinter dem roten Licht. Das Licht war anfangs unerträglich, doch langsam gewöhnten sich meine schlaftrunkenen Augen an das wabernde Rot, machten einen Frauenkörper dahinter aus.
Ich blinzelte nochmal, um mich meiner Wachheit zu vergewissern, dann sah ich gespannt zum Licht. Irgendwoher kannte ich das Ganze schon.
Das Leuchten verblasste langsam, gab den Blick frei auf: Liz Hurley in einem roten, sexy Cocktailkleid.

Was zur Hölle?

Dann verstand ich.
„Lass mich raten, DU kamst so, weil Du mir, geblendet wie ich bin von Medien und anderen Gottlosigkeiten, so wesentlich besser gefällst als Deine Interpretation in Spawn oder Constantine.

Liz lachte schallend auf.
„Du gefällst mir, Kleiner. Ehrlich. Aber...“

Das wabernde Rot wurde wieder dichter, bis Liz ganz darin verschwunden war. Dann verblasste es und gab den Blick frei auf einen eleganten Herren in einem altmodischen Anzug.
„Ich denke“, nahm er/sie/es den Faden wieder auf, „so kannst Du dich besser konzentrieren.“
Er grinste mich wissend an.

„Das war also des Pudels Kern. Nun, die Verpackung war irgendwie ansprechender. Aber Du hast wohl recht“, gab ich mich geschlagen, „sag mal, wie nennst Du Dich denn derzeit?“

Das Grinsen des Mannes wurde breiter. Ein gewinnendes, charismatisches Grinsen.
„Naja, Mephistopheles kann die heutige Jugend ja nicht mal mehr aussprechen. Diablo würde gehen, zumindest für die Computerspieler. Aber ich bevorzuge etwas weniger Protziges. Nenn mich doch einfach Paul. Du kannst sogar das „us“ weglassen.“ Er lachte schallend.

„In Ordnung. Paul ohne us. Was kann ich für Dich tun? Habe ich mein Brav-sein-Konto zu sehr überschritten und Du willst mich auf den richtigen Weg zurückführen?“

Der alte Mann klatschte vergnügt in die Hände. „Haha, Du bist wirklich gut. Aber im Ernst. Eigentlich wollte ich Dir ein paar, nun ja, Insider-Informationen geben.“

„Gratis oder gegen meine Seele?“

„Hahaha, nein, die sind gratis. Ein Freundschaftsdienst sozusagen. Ich bin irgendwie ein Fan von Dir geworden. Und Fans, nun, Fans stehen natürlich hinter ihrer Mannschaft. Sozusagen.“

Ich war baff. In welches Spiel war ich da wohl hineingeraten? Ich beschloss, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, richtete mich auf und bat meinem Gast den Platz neben mir an.

„Nun, dann schieß mal los, Paul-us.“

Mit einem Fingerschnippen saß er lässig neben mir und 2 kalte Bier standen auf dem Wohnzimmertisch.
„So redet es sich besser“, grinste er mich an, als er meinen verdutzten Blick sah.

„Nun, als erstes musst Du wissen, dass Deine Eva in keinem Wort jemals gelogen hat. Du bist einer von den „Rettbaren“. Und die kriegen seit Neuestem eine Sonderbehandlung. Um die Wahrheit zu sagen, langsam gehen denen da oben die Leute aus. Besonders die Sex-Klausel ist nicht mehr so wirklich aktuell. Jedenfalls könntest Du immer noch „gerettet“ werden. Aber natürlich hat dein Engel mit dem Paradies auch nicht gelogen. Unterm Strich wärst Du dann wie ein kastrierter Kater. Ein fauler, fetter, müder aber rundum zufriedener Bastard, der den ganzen Tag die Leichtigkeit des Seins genießen könnte, Ich will Dir aber nicht verhehlen, dass Deine Chancen mit heute,“ er grinste mich wissend an, „sagen wir, gefallen sind. Und zwar recht weit. Exorbitant, wenn Du so willst.“

„Warum erzählt Du mir das Alles?“ unterbrach ich seinen Redefluss. „Du weißt mit Sicherheit, dass ich Eva in dieser Hinsicht alles geglaubt habe. Ich habe ja bewußt abgewogen, was ich aus der Situation machen soll.“

„Jaja, wer will nicht einmal einen Engel ficken?“ spöttelte er. „Aber das ist weder der Punkt, noch das Problem. Du hättest sie heute gefickt, es hätte klatsch gemacht, Du wärst zu mir gekommen und Eva wieder rauf zu ihm, um sich eine Ewigkeit lang den Arsch aufreißen zu lassen. Und glaub mir, eine Ewigkeit ist lang. Du hast Dich heute allerdings in einer Art Grauzone bewegt. Aber auch das ist nicht das Wesentliche.“

„Was dann?“ fragte ich bitter. Irgendwie konnte ich mir die Antwort vorstellen, aber ob sie hören wollte, war ein anderes Thema.

„Du kleiner Tollkopf hast Dich in sie verliebt. Und wir reden hier nicht von rosa Sonnenbrille sondern vom ganzen Herz-Schmerz-Programm. Der Clou dabei ist, dass das Ganze so tief in Dir ist, dass Du Dir noch nicht einmal richtig darüber bewusst geworden bist, stimmts?“
Paul ohne us nickte mir aufmunternd zu.

„Naja, es ist schwierig. Ich wollte mir mal in Ruhe darüber klar werden, was mit mir los ist. Aber ich verstehe die Problematik immer noch nicht.“

Der alte Mann hob sein Bier und hielt es mir zum Zuprosten hin. Ich nahm Meins, prostete ihm zu und gönnte mir einen großen, kühlen Schluck.

„Kannst Du Dir das nicht denken? Eva geht es nicht anders als Dir. Nur ist sie sich dessen schon wesentlich bewusster als Du. Weiber eben!“ er grinste teuflisch: „Sie weiß zwar nicht, was es ist, aber sie weiß, was sie spürt. Und sie spürt nun mal dieses ganze kitschige Gefühlschaos. Sie will in Deiner Nähe sein, fühlt ich sicher und geborgen und blablabla.“
Er rülpste theatralisch. „Oder denkst Du, sie hätte sich von jedem x-beliebigen, der sie verführen will, Honig aus dem Töpfchen naschen lassen?“

„Ich bin wohl schwer von Begriff. Ich finde das zwar wunderschön, aber ich sehe die Problematik nicht.“

Naja, stell Dir mal vor, ihr hängt die nächsten 3 Wochen ständig zusammen, und sie folglich immer mehr an Dir. Letztendlich wirst Du ihr früher oder später mal Deine Einäugige vorbeischicken, vorzugsweise in den dunkleren Tempel, so wie ich Dich kenne. Dann kommt der Blitz, Du ganz unten, sie ganz oben und diese Konstellation für die Ewigkeit. Nun, Du kennst Doch das Sprichwort: Es gibt nichts Schlimmeres als die Rache einer geschmähten Frau. In ihrem Fall wärs dann halt die Rache einer kontrollierten und eingesperrten Frau, die nicht zu ihrem Geliebten darf.
Lange Rede, kurzer Sinn. Du kennst ja grob meine Geschichte. Und ich bin ein Mann.
Ich weiß zwar nicht, was er da oben vorhat, aber das Gezeter tut er sich sicherlich nicht an. Ergo wird er irgendwas tun. Und zwar bald. Im Klartext:
Er wird ihr in seiner unnachahmlichen Altes-Testament-Art zu verstehen geben, dass sie nicht auf dem richtigen Weg ist. Zumindest aus seiner Sicht.
Und er wird ihr nahe legen, und zwar recht deutlich, dass sie sich schleunigst wieder auf den richtigen Pfad schleichen soll.
Und dann ist es eigentlich irrelevant, wie weit sie sich zu Dir hingezogen fühlt, er da oben ist immer noch ein kleines bisschen stärker.
Dann wird sie unglücklich sein, aber sich fügen, Dich wieder zu bekehren versuchen, selbstverständlich scheitern und dann sind wir wieder bei obigem Szenario. Du ganz unten, sie ganz oben nur mit zusätzlichen Selbstvorwürfen.“

„Und Du, als der bekanntlich nette Onkel der Geschichte willst das Dilemma in rein selbstloser Absicht ins Positive umkehren?“ spottete ich.
Es war zwar wohl nicht ratsam, sich mit beiden Chefs auf der vertikalen Leiste anzulegen, aber mein Mundwerk ist einfach meistens schneller.
Zum Glück lachte mein Besucher nur.

„Jaja, ich weiß. Schlechte Publicity und so. Herr der Lügen, der Qualen, der Sünde und so weiter und so fort. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich sogar einem Atheisten wie Dir wohl Nichts erzählen, was Du so einfach glaubst. Aber wie wärs denn mit einem kleinen Denkanstoß...so mal ganz unter uns Realisten. Wenn ich wirklich so ein schlimmer Finger bin, wie immer behauptet wird und mir die Einwanderungsbehörde da oben alle schickt, die in zumindest einer, oft aber in mehreren Hinsichten mir ähnlich sind: Was hätte ich dann davon, sie zu quälen? Nach dieser Logik müssten doch eher die Rechtschaffenen, sprich: die Langweiligen meine Feinde sein, aber nicht die, die sich für meine Sicht begeistern können.
Hmmm...“ Er zuckte mit den Achseln. „Das Problem ist, dass man den Menschen nur vor irgendwas Angst machen muss, und sie hören auf zu denken und verwandeln sich in eine dumme, steuerbare Herde. Früher ging das mit der Angst vor Hexen und der Hölle, heute redet man ihnen eben ein, dass ohne den Euro Krieg, Verderben und Armut nach Europa kommen. Hihi...Idioten.“ Paul lachte auf und schüttelte dazu den Kopf.

„Ok, gesetzt, ich vertraue Dir. Aber was willst Du tun?“

„Nicht will, mein Freund. Die Frage ist, was passiert gerade eben? Nun, ich will es Dir verraten. Eva träumt gerade. Und zwar von Sex. Höllisch gutem Sex. Du vögelst sie nämlich gerade in den Himmel und wieder retour. Kleiner Tipp am Rande. Du solltest morgen Dein Bettlaken tauschen. Es wird, nunja, etwas durchnässt in der Mitte sein.“

Er gönnte sich einen gewaltigen Schluck Bier, bevor er grinsend fortfuhr.

„Ich sag Dir das, Pornos machen kann ich. Hab ich mir von den Amis abgeschaut. Hrhrhr. Wenn mich nicht alles täuscht“, er sah konzentriert auf seine Uhr, „dann schiebst Du ihr gerade Deinen Schwanz langsam in ihren eingeölten Hintern, während Du sie vorne mit so einem kleinen, gemeinen Vibsi quälst.“

Ich sah ihn mit großen Augen an.

„Jaja, danken kannst Du mir später. Sie wird nämlich weder den Traum, noch die, naja, körperlichen Gefühle und Reaktionen vergessen. Hrhr. Mach ihr morgen bitte ein deftiges Frühstück. Die Arme wird recht ausgepowert sein.“

„Und was...ich meine, wie...“

„Verschluck Dich nicht, mein Freund. Ich erklärs Dir ja. Nachdem Ihr euch ganz exzellent vergnügt haben werdet, was noch ein paar Stündchen dauern dürfte, kuschelt ihr euch zusammen und redet miteinander. Lass mich es kurz machen. Sex, so gut er auch sein mag, wir nicht reichen, um sie zu bekommen. Aber Liebe? Oh, da bekommt der alte Spießer da oben einen knackigen Gegner.“

„Ich fürchte, ich verstehe nicht so...“

Mit einer Handbewegung brachte er mich zum Schweigen. „Es ist ganz einfach. Ich weiß nur 2 Möglichkeiten aus eurem Dilemma. Die erste wäre, ihr kommt zu mir. Ich würde euch auch gerne Asyl gewähren. Hihi. Nur ist das nicht so ganz ideal. Erstens würde Dein Engel wohl nicht ganz so zufrieden sein damit. Noch nicht, hrhr. Außerdem müsste sie erst einmal verstoßen werden dazu. Nein nein, alles viel zu kompliziert. Aber es gibt eine einfachere, bessere Variante. Wenn sich Dein Engelchen von ihm da lossagt, und zwar freiwillig und im Vollbesitz ihrer Kräfte und Bewußtseins...“

„Also keine Drogen und keine Orgasmen?“

Paul nickte mir wohlwollend zu. „Richtig. Nun, jedenfalls kann sie dann logischerweise nicht in den Himmel zurück, aber auch nicht in die Hölle, da sie ja nicht gestorben ist. Capito, compadre mio?“

„Das heißt, sie würde ein Mensch werden?“

„Wieder richtig. Nur wie gesagt: Nur mit Sex wird sie das nicht wollen. Weiber eben. Aber für die Aussicht auf Liebe…naja, Weiber eben.“

„Und weiß sie das, dass sie ein Mensch werden kann?“

„Tss, wie süß naiv Du doch bist. Warum glaubst Du, vergessen sie bei ihrer Rückkehr nach oben immer ihr Mensch-sein. Denkst Du, dass es dann nicht schon ein paar Engel riskiert hätten? Für Sex? Gutes Essen? Saufen? Gewalt? Macht? Drogen? Wie heißt es doch so schön? Jeder erfreut sich an anderen Dingen.. Hrhrhr.“

„Jetzt verstehe ich. Du willst Ihr diese Info im Traum geben. Durch mich, also, mein Traum-ich.“

„Bingo, mein Freund. Nur das kann ich nicht, ohne dass Du damit einverstanden bist. Weißt eh, die Regeln die alles regeln und so weiter. Denn damit würdest Du Dich noch wesentlich unbeliebter machen. Das wäre nämlich vergleichbar, wie wenn ein Mensch streng geheime Militär- und Politikinformationen von Amerika sammelt und diese der Welt, sagen wir durch z.B. eine Internetsite, zugänglich machen würde. Hüstel!“

„Ah...Jetzt verstehe ich. Wir wären die Statisten in Deiner David-Goliath-Nummer und dafür hilfst Du uns.“

„Naja“, er setzte einen gespielt unschuldigen Blick auf, „ich muss ja auch von irgendwas leben, oder?“

„Sag mal, hast Du das Wünsche-gegen-Seelen-Business aufgegeben, oder hast Du nur neue Geschäftszweige für Dich entdeckt?“

„Hrhr, ich seh das schon, wir werden noch viel Spaß zusammen haben. Aber lass es mich so ausdrücken: Seit seinem Image-Wechsel vom rachsüchtigem Höllengott zum Lord of Greenpeace ist zumindest jeder, der an ihn glaubt, was eh immer weniger werden, davon überzeugt, den nettesten Typen überhaupt vor sich zu haben. Insofern ist die Idee, ihm ein wenig in sie Suppe zu spucken, so unglaublich reizvoll für mich. Für einen Streich par Excellence bin ich halt immer zu haben...hrhrhr.“

Paul lachte schallend und gönnte sich einen erneuten Schluck. Ich tat so, als würde ich großartig überlegen. Man lernt ja bereits früh, einen Verkäufer niemals in Sicherheit zu wiegen. Nach kurzer Zeit, nachdem ich meine Kehle befeuchtet hatte, blickte ich ihn erneut an.

„Ok, sags ihr. Sag ihr, was sie tun kann. Aber bitte: Mach es nicht zu theatralisch. Lass den diabolus ex macchina weg und lass es natürlich wirken.“

„Ich hätte es nie anders vorgehabt“, zwinkerte er mir zu. „Nun, dann sehen wir uns ein paar Jahrzehnten wieder. Vielleicht sogar euch zwei. Je nachdem, wie „brav“ Du bist. Hrhrhr. Ach, bevor ichs vergesse, hätte ich da noch einen kleinen Tipp für Dich. Aus Dankbarkeit in das mir entgegengebrachte Vertrauen sozusagen: Sei lieb zu ihr. Umgarne sie. Und lass den Knüppel in den nächsten Tagen im Sack und dusche lieber ein wenig mehr. Meinetwegen auch gerne mit eingeseifter Hand. Hahahahaha...“

Sein letztes Lachen verhallte noch im Raum, doch er war verschwunden. Auch die 2 Flaschen. Nur die Glasränder auf meinem Wohnzimmertisch waren stille Zeugen unserer Zusammenkunft. Ich beschloss, sie so schnell als möglich zu entfernen. Kurze Zeit später war ich wieder in meine Decke gekuschelt und ließ den Tag und meine durchwegs interessante Unterredung noch einmal Revue passieren.
Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Es war, als wenn man Zivilisten aus einem Kriegsgebiet retten wollte, indem man sich mit Rambo verbrüdert. Auf der anderen Seite war ich bei meinen Aussichten um seine Hilfe froh und dankbar. Nicht zuletzt war natürlich auch die Aussicht auf die nähere Zukunft teufelseidank ziemlich rosig.

Irgendwie war es pervers. Ich blickte zurück, alle Frauen, die ich bis jetzt hatte, alle Beziehungen, die ich geführt hatte. Bei Eva war Sex irgendwie das Einzige gewesen, was mich angetrieben hatte. Wie sagte es „Paul-us“ so schön poetisch: „Jaja, wer will nicht einmal einen Engel ficken?“ Und jetzt? Jetzt bin ich dabei, den Himmel auszuhebeln für diese Frau. Komisch, wie sich die Dinge so entwickeln. Mich interessierte wirklich, was er respektive ich ihr im Traum wohl erzählte. Und selbstverständlich auch, was ich mit ihr so alles angestellt hatte. Ich war gerade so in Gedanken versunken, da kam mir noch ein Gedanke. „He Paul...PAUL!“ versuchte ich mich zu konzentrieren. „Sag mal, könnte ich nicht ein Video von Evas Traum bekommen? Als Bonus sozusagen? Komm schon.“
Ohne eine Antwort schlief ich ein.

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