Ich war in totaler Hektik, da das Hupen in immer kürzeren Abständen ertönte. Tom schien sauer zu sein, was ich ihm nicht verdenken konnte. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich ihn warten ließ. Ich zupfte an meinem Röckchen, suchte es in die Länge zu ziehen. Es half so gut wie gar nicht! Mir blieb keine Wahl. Die dem Dresscode entsprechenden Hosen waren allesamt in der Wäsche, wie auch mein einziger, zur Schuluniform passender Rock, der eine manierliche Länge aufwies. Ich zuckte mit den Schultern, während ich eine einsame Entscheidung traf. Ich schnappte meine Schultasche, um die Treppe hinunter zu rennen. Mein kleiner Bruder grinste, als er mich erblickte. Ich biss in ein Croissant, das ich meinem Dad vom Teller stibitzte. Nun entdeckte auch er mein ungebührliches Outfit. „Elle, ist das dein Ernst? Du kannst doch nicht in diesem kurzen Rock in die Schule gehen!“
Ich sah ihn mit theatralisch verzweifelter Miene an. „Geht nicht anders, Daddy! Meine anderen Schuluniformen sind alle in der Wäsche!“ Im Nachhinein wäre es vermutlich schlauer gewesen, wenn ich mir einen Blazer übergezogen hätte. Der hätte den knappen Rock komplett verdeckt, und dem Dresscode der Schule entsprach er ja auch Es war sehr heiß an diesem Tag, weshalb ich vermutlich erst gar nicht auf diese Idee kam. Mein Vater hatte keine Lust mit seiner 18-jährigen Tochter zu diskutieren. Es war ja mein letztes Jahr, ehe es auf die Universität gehen sollte. Vorausgesetzt, dass ich meinen Abschluss schaffte, wonach es aber aussah. Ich küsste Dad und gab auch meinem frechen Bruder einen Schmatz, ehe ich mich mit fliegendem Röckchen davon machte. Einen Sprung später saß ich in Toms Cabrio. Er hatte meinen super kurzen Rock natürlich bemerkt, sagte aber nichts dazu.
Falsche Entscheidung
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