Falsche Entscheidung

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Falsche Entscheidung

Falsche Entscheidung

Andreas

Er trennte die Jungs, indem er Mick von Peter weg zog. Als sich die Lage beruhigt hatte, musterte er mich mit strengem Blick. Direktor Paulsen war schon Ende Fünfzig, entsprach aber dem Ideal eines gutaussehenden, freundlichen Herrn in den besten Jahren. Er mochte seine Schüler, aber dass sie sich wegen eines Mädchen prügelten, das konnte er dann doch weniger leiden. Er nahm sich zuerst die zwei Jungs zur Brust. „Peter, Mick! Ich sehe euch gleich in meinem Büro!“ Dann wendete er sich mir zu: „Das betrifft auch dich, Elle!“ Ich war ja schon froh, dass Herr Paulsen ’Du‘ zu mir sagte. Hätte er mich gesiezt, wäre es ein deutliches Indiz seines Zorns gewesen. Wir trotteten zu seinem Büro, vor dem wir auf der sogenannten Sünderbank Platz nehmen mussten. Peter wurde als erster aufgerufen. Als er im Büro des Direktors weilte, machte mir Mick Vorhaltungen. „Du hast es ja darauf angelegt, dass er dich auf den Po geklatscht hat! Wenn du so einen kurzen Rock trägst, provozierst du das ja!“

Ich fand seine Meinung so richtig Scheiße! Es war ja keine wohlkalkulierte Absicht, dass ich das Röckchen aus den Untiefen meines Kleiderschranks hervorholte. Ich hatte nichts anderes zum Anziehen, verdammt! Das sagte ich Mick auch, um dabei anzufügen, dass Peter mir nicht auf den Hintern zu klapsen hatte. In dem Augenblick rief ihn der Direktor zu sich, während Peter mit genervtem Gesichtsausdruck aus der Tür trat. „Nachsitzen!“, raunte er mir zu. Nun wusste ich wenigstens, was auf uns zukam. Ich dachte über diese doofe Geschichte nach, die ich mit verursacht hatte. Na ja, mit ein paar Stunden Nachsitzen konnt ich gut leben! Da kam auch schon Mick, der wohl dieselbe Sanktion wie Peter bekommen hatte. „Kommst du, Elle?“ Der Direktor wollte wohl endlich zum Ende kommen. Ich saß ihm gegenüber, um mir meine Standpaule abzuholen. „Dieser kurze Rock ist lächerlich, Elle! Wie kommst du auf die Idee, damit in die Schule zu kommen?“ Ich versuchte ihm zu erklären, dass es widrige Umstände waren, die mich dazu zwangen. Irgendwie war ich genervt, da ich mich auch über die Jungs ärgerte. Die dumme Prügelei brachte uns ja erst in diese Lage. Ich reagierte recht schnippisch auf Herrn Paulsens Vorwürfe. „Meine Schuluniform war in der Wäsche und da hab ich eben zu diesem älteren Rock gegriffen. Mein Gott, das ist ja nicht so schlimm, oder?“
Ich steigerte mich richtig in meine Wut, vergaß dabei, dass ich mit dem Schuldirektor redete. „Elle, ich bitte dich, dass du deine Stimme senkst!“ Ich dachte gar nicht daran. „Ich kann da nichts für, Herr Paulsen! Die Jungs sind schuld, dass es zu dieser bescheuerten Schlägerei gekommen ist…“ Nun war es Herr Paulsen, der lauter wurde. Ich zuckte zusammen, als er mich anschrie: „Halt jetzt den Mund!“

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