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Martin hätte durchaus interessiert, was Nils seiner Frau beim Bau des Spielturmes im Garten so alles erzählt hatte. Aber in den zwei Wochen auf Kos waren entweder Olivias Eltern mit am Tisch oder sonst wo anwesend oder die Kinder um sie herum. Und während der wenigen Stunden in Zweisamkeit die blieben, wollten beide unabhängig voneinander nicht das Reizthema Patricia ansprechen und die Stimmung vielleicht zerstören. Und nachts, da war eher kuscheln und schlafen angesagt. Ab und an, ja, da gab es noch etwas anderes…
Aber heute, da platzte Martin mit der Frage heraus, was Nils mit ihr im Garten zu besprechen hatte.
„Nils hat mir dasselbe gesagt wie Dir!“ Olivia war durchaus bereit, mit ihrem Mann über dieses Thema zu sprechen. „Er fände es gut, wenn Du und Pat…! Denn Du bist so etwas wie ein Übermensch, der alles richtig macht für sie. Und Patricia gefällt es, dieses kleine bisschen Macht über Dich zu haben. Wenn sie dich anmacht und dann hinhält. Nils hofft, dass ihr danach ein super kollegiales Verhältnis hinbekommt, wenn ihr BEIDE, und er betonte BEIDE, euch die knisternde Spannung rausgevögelt habt.“
„Und,“ Martin hätte beinahe angefangen etwas zu sagen, aber Liv war schneller, „es wäre für ihn durchaus reizvoll, wenn wir dann ab und zu mal die Partner tauschen würden.“
Olivia schaute Martin irgendwie fragend an. Dann meinte sie weiter: „Er findet mich interessant. So hat er sich ausgedrückt. Interessant. Und könnte sich gut vorstellen mit mir…ja, du weißt schon!“
„Und Du kannst dir das so gar nicht vorstellen?“ Martin war sich bewusst über die Brisanz seiner Worte.
Liv schüttelte den Kopf. „Pat will nicht, dass ich mit ihrem Mann…! Und ich will nicht, dass sie mit Dir!“ Es entstand eine kleine Pause. Dann meinte Olivia weiter: „Es wird alles kaputtgehen! Und ich will das nicht!“
Martin nahm seine Frau in den Arm.
„Du willst sie?“, fragte Olivia leise.
„Sie übt eine gewisse Faszination auf mich aus, ja!“
„Und dann stellt ihr fest, dass es richtig gut war!“ Olivia schaute ihren Mann nun sehr eindringlich an.
Was danach sein würde, wer weiß das schon? Auch Martin wusste darauf keine Antwort.
„Ich weiß nur, dass ich meine Familie nicht aufgeben würde!“ Und daran gab es für Martin nichts zu rütteln.
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„Ja, Pat?“ Martin war an sein Mobiltelefon gegangen, als kurz nach Mitternacht Patricia Baumüller als Name auf seinem Display erschien.
„Policia são luiz”, meldete sich eine männliche Stimme am anderen Ende.
Policia! Martin war sofort klar, dass etwas passiert sein musste. “Oh, yes. Something happened?” Schlagfertig antwortete Martin in Englisch. Portugiesisch hatte er so gar nicht drauf.
“Senhor Baumüller?”, fragte der Anrufer.
“No. Patricia Baumüller is my employee!”
“A senhora Baumüller está sob custódia;” hörte Martin. Er verstand zwar nicht, was es bedeutete, ahnte aber nichts Gutes.
“Can I talk to Misstress Baumüller?”
“Tudo bem, espere.” Der Mann am anderen Ende schien das Telefon in den Raum zu halten.
“Martin ich brauche Hilfe! Die haben mich verhaftet!” Patricias Stimme klang verzweifelt.
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