Bei der nächsten Umarmung ließ es Susanna geschehen. Sie gab sich dem Kuss hin, öffnete die Lippen weit, ließ Javiers Zunge in ihrem Mund spielen, saugte voll Verlangen an seinen Lippen. In diesem Moment ließ sie sich fallen, vergaß die Vorsicht, vergaß, dass er verheiratet war. Dafür fiel es ihm wieder ein. Eilig drängte er Susanna zum Aufbruch. Er sah den Zorn in ihren Augen, ihren Gesten, ihren energischen Schritten.
„Du hast es ja von Anfang an gewusst.“
„Ich will nicht darüber reden. Wenn du musst, fahren wir eben.“
Während Susanna den Wagen in Richtung Autobahn lenkte, stieg die Wut in ihr auf. Die Sonne kletterte höher, die Luft war mild, Vögel zwitscherten. Sie wollte den Tag mit ihm verbringen und erst am Abend zurück fahren. Es war doch ihr gemeinsames Wochenende. Sollte sie diesen Tag auf der Autobahn verbringen? Sie trat das Gaspedal durch, fuhr 220 km/h auf der linken Spur, fuhr eng auf, drängelte, gab Lichthupe und fluchte laut. Das Thermometer im Armaturenbrett zeigte 20 Grad. Javi auf dem Beifahrersitz war ganz blass unter seiner bronzefarbenen Haut. Als sie zum Tanken anhielten, versuchte er eine zärtliche Geste, strich ihr über die Wange. Wütend schob sie seine Hand weg. Nachmittags waren sie da. Die vielen Sonntagsspaziergänger in den sonnigen Straßen machten Susanna noch wütender.
„Tja, das war es dann wohl. Machs gut.“, verabschiedete sich Javi resigniert. Susanna stieg wortlos in den Wagen und brauste davon. Zuhause warf sie sich aufs Bett und weinte. Am nächsten Montag sann sie auf Rache. Sie rief Wilfredo an. Sie trafen sich bei ihm. Susanna war enttäuscht, denn seine Tochter, ein aufgewecktes, neunjähriges Mädchen, war da. Sie sah ihre Chancen auf ein romantisches Tete a tete dahinschwinden.
„Ich muss schnell in den Supermarkt, etwas zum Trinken kaufen“, begrüßte sie Wilfredo.
„Ich begleite dich!“, erwiderte Susanna.
Fatale Begierde
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