Felizitas

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Felizitas

Felizitas

Michael Müller

Nein. Nicht leer.
Auf dem Sessel saß, aufgerichtet auf ihren Hinterpfoten ein Katze. Ein weiße Katze. Martin hatte diese Katze schon einmal gesehen. Vor vielen Wochen. Morgens in seiner Wohnung. Ihre Vorderpfoten hatte sie auf den Tisch gelegt, den Kopf zu Fritz gedreht.
Martins Hände zitterten.
"Kann ich das Foto haben? Und auch das Negativ?"
Anton nahm die Negativstreifen aus dem Umschlag. Er holte ein Messer aus der Küche. Nachdem er das Negativ auf den Streifen gefunden hatte, schabte er die Beschichtung mit dem Messer ab.
"Genügt’s?" frug er.
"Danke. Das Foto?"
"Nimm es," sagte Anton.
Martin fuhr zu seiner Wohnung. Er verließ den Bus aber an irgendeiner Haltestelle. Suchte ein Lokal.
Trank ein Bier. Hatte das Foto vor sich auf dem Wirtshaustisch liegen.
Viele Fragen würde Felizitas zu beantworten haben. Und? Dann? Welche Bedeutung haben die Antworten?
Er liebte sie. Das eben Erfahrenen beeinflusste seine Liebe nicht. Und ihre Antworten? Was wird anders dadurch?
Er bestellte noch ein Bier.
Gedanken schwammen durch seinen Kopf. Bilder. Felizitas nackter, zarter Körper, ihr blondes, fast weißes Haar. Ihre in ekstatischer Lust verschlungenen Körper.
Er trank sein drittes Bier. Es erinnerte ihn an Himbeeren.
Er zerknüllte das Foto. Ließ es am Tisch liegen.
An der Bar verlangte er zu telefonieren. Der Wirt wies ihm den Weg zur Telefonzelle.
Anton musste neben dem Telefon gesessen haben. Noch während des ersten Rufsignals meldete er sich.
"Anton, ich möchte, dass über dieses Foto nie mehr gesprochen wird," sagte er.
"Foto? Ich weiß nicht von welchem Foto du sprichst," antwortete Anton.
"Danke," sagte Martin.
Martin fuhr nach Hause.
Morgen Abend wird Felizitas wieder bei ihm sein. Felizitas mit ihrem blondem, fast weißem Haar. Felizitas mit ihren zarten, weichen Brüsten die so perfekt zu ihrem Körper passten, in seine Hände.
Und er wird wieder Himbeeren schmecken – morgen, abends.

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