Feuchte Stellen im Wald

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Feuchte Stellen im Wald

Feuchte Stellen im Wald

Johannes Seilmann

Dieser Stoff regt augenblicklich meine Phantasie an.
„Na, dir etwa nicht?“, versuchte ich den Ball zurück zu spielen.
„Doch, schon. Aber du hast zuerst hinterher geguckt.“
„Stimmt.“
Ich widersprach nicht mehr. Sie hatte mich eben erwischt, wie gesagt. Wir gingen weiter, bogen vom Hauptweg ab und von da an waren wir allein. Im Gehen unterhielten wir uns über alles Mögliche. Neuigkeiten wurden ausgetauscht. Nachdem wir eine Weile gegangen waren, verspürte ich ein menschliches Bedürfnis. Der viele Kaffee vom Morgen hatte seinen Weg in die Blase gefunden.
„Warte mal. Ich muss mal hinter einem Baum verschwinden.“
Es war mir etwas unangenehm. Normalerweise bin ich da nicht kleinlich. Ich bin soviel draußen und in der Natur unterwegs, dass ich gewöhnt bin, mich im Freien zu erleichtern. Aber jetzt war es doch etwas anderes. Ich war nicht allein und wir waren doch nicht so vertraut miteinander, dass ich das so einfach sagen konnte.
„Mach ruhig, ich schau gern zu.“
Ich war so perplex, dass ich mein Bedürfnis für einen Moment vergaß. Dann ging mir ein Licht auf. In unseren zahlreichen Mails, in denen wir uns kennen gelernt hatten, war das Thema immer wieder aufgetaucht. Sie wollte mir beim Pinkeln zusehen. Und das nicht einfach aus Neugier, sondern weil es sie anmachte. Auch wenn ich auf dem Männerklo neben anderen Männern stehen und Wasser lassen kann, war ich jetzt aber doch so überrascht, dass sich mein Drang erst mal verflüchtigt hatte. Stattdessen setzte leichte Erregung ein.
„Ich weiß nicht, ob ich so kann“, versuchte ich eine Ausflucht.
„Na, du hast mir schon so viel gesagt und gezeigt. Da wird’s doch nicht so schwierig sein, oder?“
Ich zierte mich. Aber sie ließ nicht locker.
„Komm! Bitte!“

 

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