Was mir sofort ins Auge fiel, war ihr Geburtsdatum, sie war im Juli geboren und gerade 26 Jahre alt geworden.
Der Pfleger kam zurück und ich übergab ihm die Versichertenkarte und den Ausweis. „Toll!“, meinte er, „dann habe ich ja alles beisammen! Ich lese die eben im Schwesternzimmer ein und bringe sie gleich zurück!“ Er verschwand wieder.
„Soll ich deinen Vater anrufen und ihm sagen, dass du hier bist?“, fragte ich Ines, doch sie hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen. Wieder berührte mich der Anblick ihrer wunderschönen Wimpern eigenartig.
Sie schlief aber nicht, was ich an ihrer Hand erkennen konnte, die ruhelos über die Bettdecke strich, so als suche sie etwas. Impulsiv ergriff ich ihre Hand und sofort hielt sie meine fest.
„Bleib bitte bei mir!“, sagte sie sehr leise.
„Deine Eltern sollten aber schon wissen was passiert ist!“ Versuchte ich es erneut, doch sie schüttelte nur unmerklich den Kopf.
Ich war ratlos? Was sollte ich nur machen?
Der Pfleger brachte ihre Ausweispapiere zurück und als er mich händchenhaltend am Bett stehen sah, holte er lächelnd einen Stuhl und stellte ihn mir hin. „Setzen sie sich doch!“
Es dauerte noch etwas ein halbe Stunde, bis ich an ihren gleichmäßigen Atemzügen merkte, dass sie eingeschlafen war.
Vorsichtig löste ich meine Hand aus ihrer, die sie immer noch fest umklammert hielt und machte mich auf den Rückweg zum Bürogebäude, ich musste meine Arbeit ja noch fertig machen.
Von dort rief ich Herrn Holtymann unter seiner Privatnummer an, die ich am Empfangstresen fand.
Der geriet sofort in helle Aufregung, erst als ich ihm erklärt hatte, wer ich bin und dass sie zwar eine schwere Gehirnerschütterung hätte, es ihr sonst aber gut ging, wurde er ruhiger.
-*-
Am Montag überlegte ich, ob ich Ines noch Mal im Krankenhaus besuchen sollte. Ich kämpfte lange mit mir, wog alles gegeneinander ab, doch irgendwann ertappte ich mich mit einem Blumenstrauß bewaffnet vor ihrem Zimmer und klopfte.
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