Flucht

Amazonengeschichten - Im Land des Nordens - Teil 10

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Meine Kriegerinnen liegen im Hinterhalt! Also trollt Euch! Das war jetzt keine Aussage, die zur Befriedung der aufgeheizten Atomsphäre beigetragen hätte. Hätte Elian Soldaten im Hinterhalt vorgegaukelt, so hätte die Täuschung vielleicht noch funktioniert. Ein, zwei Pfeile von Emet hätten mächtig Eindruck geschunden und vielleicht zum geordneten Rückzug ermuntert. Aber Amazonen? Einerseits verbreitete dieser Gedanke Schrecken, andererseits wollten Krieger sich meist nicht eingestehen, dass Frauen auch gefährlich sein konnten und suchten oft erst recht die Auseinandersetzung. Diese Mischung aus Nervosität, Unsicherheit, männlichem Trotz und Überheblichkeit war explosiv. Ein Scharmützel wurde dann schnell zum Massaker. Nur, das wollte Elian ja. Angriff hielt der Kommandant wohl für die beste Verteidigung und hieb ohne Vorwarnung auf sie ein. Doch kaum hatte er mit dem Schwert ausgeholt, gurgelte er nur unverständlich, fasste an den Pfeil in seiner Kehle und fiel vom Pferd. Drei weitere Pfeile konnte Emet noch gut und unheilvoll platzieren, dann taten die Lanzen der Waldbewohner das ihre. Die konnten echt gut damit umgehen. Anders als bei ihrer Versklavung wurden sie jetzt nicht überrascht und sie hatten genug Grund, Rache zu üben. Von kleineren Blessuren abgesehen, war ihnen kein Unheil geschehen. Elian schien sehr zufrieden. Vier verwundete Soldaten schrien in ihren Schmerzen, der Rest rührte sich nicht mehr.

Es war an der Zeit, sich von den Waldbewohnern zu trennen. Emet und Elian trieben sie zur Eile, denn zu der Schlucht hinauf in die zerklüfteten Berge, wo der kleine Rest ihres Volkes noch frei lebte, war es nicht mehr weit und sie sollten noch vor dem Anbruch der Nacht den Schutz des unwegsamen Geländes erreichen. Durch den Sieg über die Unterdrücker gestählt und mit reicher Beute an guten Waffen trauten sie sich das auch zu. Der Abschied war kurz und herzlich, nur Ngato blickte traurig zu Boden. Emet nahm ihn in den Arm, um ihn zu trösten, und noch bevor ihr etwas Vernünftiges eingefallen war, sagte er nur: Ich bin kein Krieger, der an deiner Seite bestehen könnte, schöne Retterin! Er schämte sich seiner Tränen nicht. Nur Emet bedauerte, immer wieder Herzen zu brechen, wo sie doch nur Schönes schenkte. Dann folgte er den Anderen. Ein sphärischer, vielstimmiger Lobgesang auf die Amazonen hallte noch durch den Wald, als die Flüchtenden schon längst im Dickicht verschwunden waren.

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