Emet hielt die paar nicht reichlich mutigen Wachen mit ihrem Bogen in Schach und schauderte selbst angesichts des furchtbaren Zorns von Elian. Ich lasse die Sklaven frei, rief sie donnernd über den Hof, und euch überlasse ich ihnen! Mögen sie entscheiden, was sie euch antun wollen oder nicht! Nachdem ein Bewaffneter noch meinte, das Schicksal wenden zu können und schnell röchelnd am Boden lag, ergab sich der Rest zitternd und um Gnade flehend. Die Amazonen organisierten zügig die Flucht der Befreiten und Gequälten. Leise baten sie, die Menschen zu verschonen. Die Sklaven bewaffneten sich und eilten auf den Pferden ihrer Schinder davon in Richtung der Berge, nicht ohne die Gebäude dieser Stätte ihrer Qualen in Brand gesteckt zu haben. Das wollten Elian und Emet ihnen nicht verwehren. Die Spur, die die Amazonen hinterließen, war also eindeutig und so würden wohl sie und nicht die Waldbewohner und die anderen Befreiten verfolgt werden. Sie waren aber schneller als die Kunde ihrer Rebellion und am nächsten Morgen hatten sie das Reich von Arrnos verlassen.
Emet atmete auf, denn sie hatte ihn allmählich wieder satt, diesen endlosen Kampf im Wunsch die Welt zu retten. Sie sehnte sich nach Zärtlichkeit und Liebesspiel, nach friedfertigen und redlichen Menschen und da vor allem nach den Männern, ihren zärtlichen Händen, ihren lüsternen Lippen und ihren steifen Gliedern. Endlich wieder durchgefickt zu werden ohne ständig auf der Lauer zu sein vor dem Unheil, sondern Samen zu empfangen in der Hoffnung auf neues Leben in ihr.
Nach Durchquerung der weiten Furt ritten sie auf dem jenseitigen sicheren Flussufer in der Abenddämmerung ritten sie auf ein kleines Dorf zu. Die Wehrmauern waren halb verfallen und eine kleine verwitterte Burg thronte auf dem Hügel. Vor dem Tor ins Ortsinnere lagen verstreut ein paar Hütten und eine Schänke mit Unterkünften und einem Stall für Reisende. Emet und Elian beschlossen, hier Quartier zu machen und stiegen ab.
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Suchen wir uns einen Mann? fragte Emet mit spitzbübisch funkelnden Augen. So ein kleines Isati-Liebesfest nur Mutter und Tochter? So gut wie du aussiehst, gehen wir sogar als lüsterne Schwestern durch! Einen? polterte Elian los. Ich bin für ein halbes Dutzend! Unser erfolgreicher Feldzug muss gebührend gefeiert werden. Und wenn wir keine sympathischen, gutaussehenden, muskulösen, feinfühligen Frauenverehrer finden? gab Emet zu Bedenken. Elian runzelte verständnislos die Stirn. Dann raufen wir eben! Macht doch auch Spaß!
Die beiden Amazonen betraten die Schänke. Das Stimmengewirr verstummte langsam, und es richteten sich erst ein paar, dann immer mehr Augen auf sie. Wilde Gesellen fanden sich hier, von deren Kämpfen Narben und Verstümmelungen erzählten, und verschlagene Gesichter, die nicht erkennen ließen, dass sie den Lebensunterhalt in redlicher Weise bestritten. Kein Wanderer, Waldläufer oder Händler befand sich hier, nicht einmal Soldaten in Freischicht.
Hier sind wir richtig! strahlte Elian. Das wird ein Fest!
Emet seufzte resigniert: Ganz eindeutig kein Liebesfest!
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