Die Frauen mussten zwar ihre Haare mit einem Tuch bedecken, weil offene Haare als vulgär oder als zu erotisch galten, aber im ganzen Land wurden, seines Wissens, keine Schleier verwendet, eine Tradition aus vergangenen, liberaleren Zeiten, die sich erhalten hatte. Die Frau trat sehr dicht an ihn heran, er roch einen Hauch Parfüms und hörte sehr deutlich die Worte: "follow me please, but take care", obwohl sie nur geflüstert hatte, laut geflüstert. Dann war sie auch schon vorbei gehuscht und in einem kleinen Lebensmittelladen auf der anderen Seite des Platzes verschwunden, eines der wenigen Geschäfte, das noch geöffnet war. Er war verwirrt, meinte erst, er hätte sich verhört, aber nein, es war so gewesen, die Frau hatte ihn aufgefordert, ihr unauffällig zu folgen. Sollte er es tun oder lieber doch nicht? Vielleicht gab es die Gefahren tatsächlich, von denen der Führer gesprochen hatte, auch wenn er bisher nichts gesehen oder bemerkt hätte, was darauf hingewiesen hätte, nicht einmal Polizisten waren ihm begegnet, sonst immer ein Indikator für drohende Ereignisse. Er zögerte, aber dann war die Neugier stärker als die Angst und er überquerte den Platz, betrat den Laden und sah sich um. Ein alter Mann saß hinter der Kasse am Eingang, der ihn nur müde und desinteressiert anschaute, sonst schien er leer zu sein. Wieder kam der Verdacht auf, dass er sich getäuscht oder verhört hatte, aber die Frau war hier hineingegangen und dann sah er, wie eine Hand aus dem hinteren, dunkleren Teil winkte, ihm zuwinkte. Scheinbar nach etwas suchend, was er kaufen wollte, ging er in diese Richtung, und als er um das letzte Regal bog, stand dort die Frau und lächelte ihn an.
Nun erst konnte er sie im Licht einer trüben Glühbirne in Augenschein nehmen, sie sah trotz ihrer Verhüllung attraktiv aus. Nicht mehr ganz jung, er schätzte sie auf dreißig bis vierzig, mit einem feinen, hübschen Gesicht und, zu seiner großen Überraschung, mit blauen Augen, die ihn intensiv anstarrten.
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