Diese Augenfarbe hatte er hier nicht erwartet und sie irritierte ihn sehr, dazu das Parfüm, das er nun deutlich roch. Es war klar, dass sie etwas von ihm wollte, aber er fühlte auch, dass sie etwas Wichtiges auf dem Herzen hatte, das sie loswerden wollte, sonst hätte sie einen Ausländer um diese Zeit bestimmt nicht angesprochen. Er täuschte sich nicht, denn sie redete, leise flüsternd und in ganz passablem Englisch. Er solle mit ihr gehen, in ihre Wohnung, sie lebe allein, sei unverheiratet. Er soll mitkommen, weil es ihr dringendster Wunsch sei, mit einem Ausländer zu reden. Hier würde man sie meiden, niemand würde mit ihr reden, schon gar kein Mann, aber er brauche keine Angst zu haben, sie wolle nur reden, sie wolle kein Geld, sie sei keine Prostituierte. Sie wollte nur wissen, was in der Welt da draußen los sei, das würde sie sehr interessieren, aber hier würde sie ja nichts erfahren, die Zeitungen, das Fernsehen, alles werde kontrolliert, alles sei gelogen. Sie sehne sich auch nach einem Gespräch, das sei für sie lebensnotwendig, selbst wenn es nur eine Stunde dauern würde, eine Stunde, die er ihr bitte schenken möge. Sie habe niemanden, mit dem sie vernünftig reden könne. Er solle bitte mitkommen, ihr bitte unauffällig folgen, es sei für sie so wichtig, so unendlich wichtig. Sie redete schnell und ohne Pause und er hatte Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Ihr Wunsch nach einem Gespräch verwunderte ihn und er war irritiert. Eine solche Frau wollte mitten in der Nacht mit einem Ausländer reden, nur reden, nicht mehr? Die Geschichte von dem Geschäftsmann und der gesteinigten, armen Frau, die der erste Führer ihm erzählt hatte, fiel ihm auf einmal ein, obwohl er nie mehr daran gedacht hatte. Ein solches Risiko wollte er auf keinen Fall eingehen und so lehnte er ihren Wunsch ab, als sie mit aufhörte zu reden. Aber die Frau gab nicht auf.
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