Er sei wieder abgereist, bevor sie geboren wurde, habe ihr aber die blonden Haare und die blauen Augen hinterlassen. Die streng konservative Familie ihrer Mutter hatte die junge Frau zur Strafe für ihren Fehltritt hierher, in diese gottverlassene, erzkonservative Stadt verbannt, um nicht ständig an ihre Schande erinnert zu werden. Sie zog ihre Tochter allein auf, Verwandten, die hier lebten, wollten nichts mit ihr zu tun haben. Trotz der Verbannung bekam ihre Mutter regelmäßig etwas Geld von ihrer Familie, genug, dass sie sich die Wohnung leisten und halbwegs ordentlich leben konnten. Sie sei auf die Schule gegangen und sogar eine Ausbildung als Englischlehrerin erhalten, das war zwar in diesem Land möglich, aber eine Stelle an einer Schule bekam sie nicht. Als Grund wurde ihr Vater angeführt, der angeblich ein Sicherheitsrisiko sei. Sie vermutete aber auch, dass man sie wegen ihres Aussehens diskriminierte. Sie habe Nachhilfestunden gegeben, aber hier gäbe es nicht viele, die eine Fremdsprache lernen wollten. Nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte die fromme Familie die Unterstützung eingestellt. Sie stand vor dem Nichts, einen Mann, der sie hätte heiraten wollen, habe es nie gegeben, ihre blauen Augen und die blonden Haare waren ein Stigma und machten sie zu einer Hure, obwohl sie keine sei und keine werden wollte. Die Männer hier seien zwar wild auf eine wie sie, sie würden auch viel Geld bieten, um mit einer so exotischen, seltenen Frau zu schlafen, aber Prostitution sei streng verboten und als Frau lebe man ständig in der Gefahr in ein Gefängnis gesteckt zu werden, in eine moralische Besserungsanstalt. Wenn die Freier nicht zahlen wollten, was oft vorkäme, hätte die Frau keine Möglichkeit, das Geld einzufordern. Ein Mann würde ihr sehr fehlen, sie sei ja fast noch Jungfrau, so selten, wie sie geliebt worden war. Dann hörte sie plötzlich auf, von sich zu erzählen, sie wolle nun etwas über ihn wissen.
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