Folge mir unauffällig

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Yupag Chinasky

Die Frau würde man auf jeden Fall anklagen, auch ohne seine Aussage, es gelte, das Land rein zu halten und das Übel der Prostitution an der Wurzel auszurotten. Er aber sei nicht Teil des Landes und käme mit einer mündlichen Verwarnung und ohne weitere Strafe davon, wenn er gestehe, ein reiner formaler Akt, aber mit großen Konsequenzen für ihn, nicht für die Frau. Diese, so der Polizist, seine Frage ahnend, müsse für ihre Schuld büßen, die Gesetze des Landes seien eindeutig, es gäbe angemessene Strafen, er lässt aber offen, um welche Strafe es sich handelt.

Das Pokerspiel nähert sich seinem Höhepunkt und damit seinem Ende. Nur noch die Karten, die der Polizeichef in seiner Hand hielt, zählen. Für ihn geht es um alles oder nichts, um sein Leben, um Jahre seines Lebens zumindest, oder die sofortige Freiheit. Es geht nicht um die Wahrheit, die war nicht gefragt, die war unbedeutend, die interessierte niemanden. Es geht aber auch um Liebe, und um diese Augen, diese blauen Augen, die ihn unverwandt anstarren, während eine Hand den Mund bedeckt, damit der nicht losschreit. Ein „Ja“ aus seinem Mund und alles ist entschieden und für ihn zumindest erledigt. Wem schadet das „Ja“? Hat die Frau überhaupt noch eine Chance? Ist sie nicht schon verurteilt und nur noch nicht hingerichtet? Oder ist das Eis, auf dem sie steht zwar dünn, aber solange tragfähig, wie er den Mund hält? Braucht die Polizei seine Aussage, um gegen sie vorzugehen oder ist dieses Vorgehen schon eine beschlossene Sache? Wenn das so ist, warum brauchen sie seine Aussage? Warum lassen sie ihn nicht einfach laufen? In ihm findet wieder der Kampf zwischen Verstand und Gefühlen statt. Der Verstand sagt unmissverständlich: „Gib alles zu oder sag wenigstens, dass sie dich angesprochen hat.“ Der Bauch sagt: „Die bluffen, die haben gegen sie nichts in der Hand.“ Der Kopf sagt: „Warum willst du diese Nutte schützen, was hast du davon?“ Der Bauch: „Denk an diese Nacht, an das Glück, das sie dir geschenkt hat.“ Alle starren weiter auf ihn, warten auf seine Antwort. Langsam, zögernd, stockend fängt er an zu sprechen.

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Gedichte auf den Leib geschrieben