Sie sagte:
„Lieber Karl, ich weiß, dass ich eine große Dummheit begangen habe! Ich möchte es wieder gut machen, und diese Angelegenheit aus der Welt schaffen. Sie sollte nicht zwischen uns stehen! Sagen Sie mir, was ich tun muss, damit Sie mir, ein für allemal, verzeihen können. Ich bitte Sie sehr darum!“
Karl spürte, dass es ihr sehr wichtig war. Sein Groll über ihr Handeln war indes noch nicht verraucht.
Eine verwegene Idee kam ihm, die er ihr unmissverständlich offenbarte. Seine Stimme klang kühl:
„Wertes Fräulein Luise! Sie fragen mich, was Sie tun können, um diesen Affront vergessen zu machen. Sie sagten mir selbst vor kurzem, dass unartige Mädchen nur unter gewissen Umständen zur Einsicht bereit sind! Momentan sehe ich Sie selbst als ein großes Mädchen an, das eine gebührliche Strafe für Ihren Leichtsinn verdient hat. Überlegen Sie sich, ob Sie dazu bereit sind? Ich erwarte Ihre Antwort bis heute Abend. Ich wünsche Ihnen dennoch einen angenehmen Tag!“
Dann stand er einfach auf, ließ Luise völlig konsterniert zurück. Luise glaubte, nicht richtig gehört zu haben, saß fassungslos auf der Bank. Ihr war klar, auf welch gewisse Umstände Karl anspielte! Luise wurde nun zum Opfer ihrer eigenen Konsequenz, indem sie Liesel vor ihrem Bruder versohlt hatte. Er war wütend auf die Erzieherin, die bei ihrer Schülerin stets die strengsten Maßstäbe anlegte. Luises sorgloses Verhalten verlangte nach einer ähnlichen Lektion. Karl fand es wohl nur gerecht, sollte sich das Fräulein dazu durchringen, auf dieselbe Weise wie Liesel zu büßen. Sie musste ihm ja auch recht geben. Ja, sie verdiente einen tüchtigen Popovoll! Luise ging auf ihr Zimmer, setzte sich schweren Herzens an ihren kleinen Schreibtisch. Sie nahm die Feder, schrieb ihm in einem kleinen Brief.
„Lieber Karl! Ich weiß, was ich Ihnen angetan habe. Daher nehme ich, so schwer es mir auch fällt, die von Ihnen angedeutete Form einer Bestrafung an.
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