Wenn Fräulein Moltke eine Strafe verdient hat, ist es nur recht und billig, wenn sie diese auch bekommen hat!“ Hedwig errötete, was ihr nur selten passierte. „Nein, es geht um ein kleines Detail! Ich habe mich hinreißen lassen, und besagtem Mädchen eben jene Strafe auf den nackten Po verabreicht. Sie wissen ja selbst, dass so etwas verboten ist. Ich hätte Tinas Unterhose nicht abziehen dürfen, jedenfalls nicht vor der gesamten Klassengemeinschaft. Es handelt sich um eine grobe Pflichtverletzung, die gesühnt werden sollte. Ich bitte sie daher, mich angemessen zu bestrafen! “
Hedwigs Herz pochte, so dass sie es bis an die Schläfen spüren konnte. Ursprünglich wollte sie diesen schweren Gang erst später antreten, nachdem Charlotte König und Tina Moltke den Besuch bei der Direktorin absolviert hatten. Hedwig fand jedoch keine Ruhe mehr, seit ihr diese markante Regelverletzung unterlief. Wobei es sich eben nicht um eine harmlose Dehnung der Vorschriften handelte, wie es ihre Freundin und Kollegin Magda Schreiber ausdrückte. Nein, Hedwigs Pflichtbewusstsein war zu ausgeprägt, um für sich selbst eine Sonderbehandlung einzufordern. Hedwig Reiser wollte jetzt bestraft werden, und zwar bevor es die ihr anvertrauten Schülerinnen traf. Fräulein Reiser hoffte, dass die Direktorin sie nicht zwingen würde, noch mehr ins Detail zu gehen. Frau Doktor Streich runzelte die Stirn. Sie ahnte, auf welche Form einer Bestrafung Hedwig abzielte.
„Dass sie Tina den nackten Po versohlt haben, entspricht nicht den Vorgaben. Ich denke aber, dass wir darüber hinwegsehen können. Tina ist ein rechter Wildfang, was sie ja erneut bewiesen hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Pädagogin die Contenance verliert, wenn sich ein Mädel derart daneben benimmt!“ Nun fiel Hedwig der Direktorin ins Wort: „Darum geht es nicht, Frau Doktor! Ich hätte das nicht tun dürfen, und den Mädchen ist dieser Umstand bekannt!
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.