Nun galt es, den anderen Lehrkräften die Sachlage darzulegen, um dann das Strafmaß festzulegen. Hedwig begann die Diskussion, indem sie den Tathergang schilderte. Sie nahm sich genügend Zeit dafür. Die Direktorin wusste, dass die Zukunft der drei Mädchen auf der Kippe stand. Ein bös versohlter Po schien ihr besser zu sein, als ein verpatztes Abitur. Hedwig war fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass die drei Schülerinnen auf Ruteberg bleiben konnten. Sie war in bester Kampfeslaune.
Einige ältere Kolleginnen sprachen sich für einen Schulausschluss aus. Stefan Bühler votierte dagegen, wobei ihn Magda Schreiber unterstützte. Frau Kraus-Bürger ebenso, was Hedwig verwunderte. Die älteste Lehrerin des Internats brachte den Rohrstock ins Spiel, indem sie erläuterte:
„Das einzig effektive Mittel scheint mir hier der berühmte gelbe Onkel zu sein! Ich weiß, dass sie andere Wege gehen möchten, Fräulein Reiser, aber hier kann es nur diese Strafe geben. Sechs Hiebe mit dem Rohrstock werden den Mädchen die Lust an solchen Konzerten vergällen, glauben sie mir!“
Stefan stimmte ihr zu, während Magda den Rohrstock abwenden wollte. Sie schlug vor, dass die Mädchen übers Knie gelegt werden sollten, um auf eher mütterliche Art bestraft zu werden. Hedwig wartete ab, bis alle Argumente ausgetauscht waren. Die Direktorin hatte ihre Entscheidung längst getroffen. Nun galt es, eine demokratische Abstimmung vorzunehmen. Hedwig bat um Handzeichen.
In dem kleinen Dorfladen ärgerte sich eine Mutter erboste über ihre erwachsene Tochter. Anne kam schon wieder eine halbe Stunde zu spät. Sie sollte ihre Mutter ablösen, damit Renate einen Arztbesuch wahrnehmen konnte. Renate spürte Groll, da Anne sich nicht einmal entschuldigen wollte. Als die hübsche Frau ihren Mantel auszog, um sich die Schürze umzubinden, kam Renate ein Gedanke. Anne stand leicht vorübergebeugt, um die Schürze zuknoten zu können.
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