Frau Müller ...

Geschichten vom Anfang der Träume

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Stayhungry

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K.s Gattin hatte einst sein mutiges Lob für die in den Auslagen dargebotene textile Verkörperung sinnlicher Träume abfällig als hausbacken bezeichnet, ohne sie ernsthaft eines Blickes zu würdigen. Ja, hatte er boshaft im Stillen gegiftet, die Sportschlüpfer von Karstadt sind das kongeniale Pendant zur gänzlich unrasierten Intimzone, so richtig heiß!

Tatsächlich fand sich bei Wildner im Schaufenster moderne, edle Lingerie, ohne schrille Attribute wie in den Junge-Mode-Läden der Billigketten oder belustigende Konstruktionen wie in den Sexshops. Hier gab es jene zeitlos eleganten Entwürfe niveauvoller Marken, Träume von anregender Hervorhebung der Schönheiten des weiblichen Körpers.

Dazu war der einen Schaufensterpuppe mal eine Reitgerte in die Hand gegeben, eine andere trug eine Augenmaske aus schwarzer Spitze, eine dritte Handfesseln in feinstem Leder mit Swarovskikristallen verziert, alles feinsinnige Anspielungen an Tabugrenzen, die es im sinnlichen Spiel zu überschreiten galt. Und gerade die Ästhetik der Umsetzung dieses Aufrufs gab der erotischen Sehnsucht eine Heiterkeit, die ihnen beiden schon lange abhandengekommen war.

Hinter dem Glas lag sie eine Handbreit entfernt und war doch unerreichbar.

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Dieses Jahr war in K. 's Firma alles schief gegangen. Der Jahresabschluss wies Fehler auf, die sie fieberhaft zu klären versuchten, um dem drohenden Ärger für die Abteilung noch zu entgehen. Seit Tagen arbeiteten sie bis spät in den Abend hinein. Die Anspannung wuchs und er hätte am liebsten alles hingeschmissen. Er hatte Kopf- und Magenschmerzen und hörte im Inneren in Endlosschleife den Rat seines Arztes, endlich einmal kürzer zu treten, in seinem Alter sei permanente Überarbeitung eine gefährliche Sache.

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