Dort ließ ich mir berichten.
„Tja", begann er, „‚New Oklahoma', das Städtebündnis im Norden – du weißt ja, die Städte Oklahoma City, Tulsa und Guymon haben ihre Zusammenarbeit mit der texanischen Städtekonföderation Fort Worth/Dallas intensiviert. Sie können sich zwar nicht komplett mit dem ganzen Verein ‚United Communities of Broken Bow' anlegen, aber offensichtlich wollten sie mit Frederik den Stachel aus ihrem Fleisch ziehen, der eine wichtige Nord-Süd-Verbindung blockiert. Jetzt drücken die Gangster aus Nordoklahoma gegen den nördlichen Ring, während die Texaner im Süden Druck machen. ‚Broken Bow' hat schon Verstärkung in die Stadt gebracht, aber die Kräfte sind begrenzt, weil angreifende Freunde der Anarchie auch gegen andere ‚Broken Bow'-Städte Druck ausüben, um da die Kräfte zu binden.
Bisher ist es nur zu einem kleinen Einbruch im Nordwesten gekommen. Dort ist eine unserer Wehrsiedlungen – ‚Dirtcreek' – gefallen, aber die Abriegelungsmaßnahmen laufen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Kräfte abseits der Einfallstraße nach Frederik einsickerten. Ach, und in Frederik hat es einen Bombenanschlag gegeben, vor dem Grocery Store an der Southern Main, Ecke Eastern Balsom Avenue, 17 Tote, fast alles Frauen und Kinder außer dem Krämer, seinem Gehilfen und einem weiteren Mann, der gerade vorbeiritt. Und ne Menge Verletzte natürlich. Du kannst dein Auto holen und bei uns abstellen, aber in die Stadt fahren kannst du damit nicht, du musst zu Fuß rein. Ich melde dich an. Weißt du, wo am Stadtrand die Eastern Jasmine Avenue ist? Dort werden die Posten Bescheid wissen."
„Ok", sagte ich nur. Zum Sabbeln hatte ich keine Geduld, ich wollte Linda wiedersehen und meine Tochter Amy und Alice und Joseph und Karen. Anderthalb Meilen etwa, das war gut zu machen.
Eine Viertelstunde später war ich unterwegs nach Frederik und eine halbe Stunde später am Stadtrand bei der Eastern Jasmine Avenue. Es dauerte etwas länger, weil ich mich sehr vorsichtig bewegen musste. Niemand wusste, ob das ‚New Oklahoma'-Gesocks hier schon im Vorfeld rumlungerte. Wie vereinbart hielt ich irgendwann aus meiner Deckung die Winchester hoch, an deren Lauf ein Taschentuch geknotet war. Daraufhin passierte auf der anderen Seite das Gleiche. Kein Laut fiel, und ich flitzte die letzten Meter durch offenes Gelände, immer damit rechnend, beschossen zu werden, aber nichts passierte.
Der Posten begrüßte mich freundlich: „Rick? Ich weiß, du willst nach Haus, aber Bürgermeister Silver will dich vorher kurz sehen. Geht auch schnell! Dafür wird dich Carl" – er deutete auf einen auf einer Enduro sitzenden Knaben von etwa 16 Jahren – „fahren." Ich setzte mich auf den Sozius, und Carl brachte mich umgehend zum Rathaus.
Ich lief eilig die Treppe hoch, und schon bevor ich durch die offene Tür in das Amtszimmer des Bürgermeisters stürmte, begann ich – eher scherzhaft: „Was ist denn so wichtig, mein Freund, mich ausgerechnet heute Abend von meiner Familie fernzuhalten?"
Harry Silver ging auf meine launige Begrüßung nicht ein. Er saß nicht hinter dem Schreibtisch, sondern in der Sitzecke.
„Rick, schön, dass du da bist. Komm, setz dich."
Ich setzte mich. „Also, was ist so …"
„Rick, ich will nicht mit dir über Verteidigungsstrategien plaudern … Rick, es ist etwas passiert."
Frederik unter Belagerung
Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft
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Frederik unter Belagerung
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