Ihre Blicke wanderten hinüber zu Sven, dem Lyra-Spieler, und Lydia, die im Gleichklang seiner Lyra ihren Körper hin und her wiegte, Sven mal ihren Oberkörper, mal ihrem Schoß in einer eindeutigen Pose zuwandte. Er schien nur Augen für sie zu haben, nur für sie zu spielen und zu singen.
„Bist du nicht eifersüchtig?“, wollte Angela wissen.
Ich schüttelte den Kopf: „Wir sind nicht besonders eng verbunden. Lydia ist eine meiner Stammkundinnen. Ich führe einen Schönheitssalon.“
„Schönheitssalon?“ Angela hielt einen Augenblick inne und blickte an sich herunter. „An mir gäbe es viel zu tun, bis ich wieder schön bin. Die Zeit hat mir vieles an Reizen genommen“, klagte sie. „Du hast selbst gesehen, wie schnell sich ein Mann von mir abwendet.“ Sie stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Körperliche Reize sind nicht das Einzige, was ein Mann zu einer Frau hinzieht“, entgegnete Ruth, die Hohepriesterin, mit ihrer rauchigen Stimme. „Manchmal genügen ein einziger Blick, eine eindeutige Geste oder ein paar direkte Worte, um einen Mann an sich zu binden“, erklärte sie und erzählte, dass die Göttin Freya dem Göttervater Odin mit dem Versprechen verführt hatte, dass Milch aus ihren Brüsten flösse, wenn Odin bei ihrer Paarung seine Manneskraft bis zur Erschöpfung einsetzte. So hätten beide den Frühling gezeugt.
Angela senkte ihren Blick an sich herunter, als wollte sie herausfinden, ob auch sie zu solch verführerischen Reaktionen fähig war. Über ihr Gesicht huschte ein Lächeln; sie trat ganz nah zu mir, bis ich ihre Körperwärme fühlte. „Muss ich die Nacht allein verbringen?“, fragte sie leise flüsternd. Ich spürte ihre Hand an meiner; ihre Finger, die mit meinen spielten. „Es ist Freinacht! Lass uns tun, wozu Männer und Frauen geschaffen wurden“, hauchte sie, schlang einen Arm um meinen Nacken und zog mich zu sich. Einmal, zweimal atmete sie tief durch und schloss ihre Augen. „Ich möchte mir dir schlafen.
Freinacht
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