Freinacht

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Freinacht

Wulff Triebsch

- Nur noch schlafen wollte ich danach, im Schlaf Erholung finden. Erschöpft zog ich gleich mehrere Decken über mich zusammen und schlief auf der Liege ein.

Ich fühlte mich wie gerädert, als ich aufwachte. Die Luft war stickig, feucht vor Schweiß und gefüllt mit dem würzigen Geruch von Sperma.
Weiter vorne im Zelt hörte ich Svens Stimme. „Ich habe Lydia zu unserem Vollmondfest eingeladen“, meinte er. „Sie soll mich mit Gesang auf der Lyra begleiten und mit Arne und Björn den Vollmondtanz einstudieren. Wir werden natürlich vorher viel üben.“
„Du meinst wohl eher, ihr wollt sie zu dritt durchvögeln.“ Die Stimme Ruths klang vorwurfsvoll, war geprägt von Eifersucht.
Eine Weile herrschte Stille, bis ich wieder Sven Stimme vernahm. „Wie ich erfahren habe, macht demnächst ein Friseur bei dir Hausbesuche.“
„Ein Meister seines Fachs“, meinte Ruth kühl.
„ … der dafür sorgt, dass sich die Männer bei Vollmondlicht besser im Gestrüpp zwischen deinen Schenkeln zurechtfinden.“ Svens Stimme klang bissig ironisch.
Nur zu gern hätte ich ihre weitere Unterhaltung mit angehört, doch mein Handy meldete sich. Wir konnten unser Zimmer im Hotel beziehen, erfuhr ich vom Mann an der Rezeption. Der Rohrbruch war repariert. Sogar das Restaurant hatte wieder geöffnet. Dort konnten wir auch schon frühstücken.

Wo Lydia geschlafen hatte, hat sie mir nie verraten, ganz bestimmt an der Seite Svens, irgendwo im Zelt; vielleicht dort, wo ich sie mit Sven belauscht hatte. Wir sammelten unsere Kleidung, zogen uns an und verließen das Zelt.
Kaum hatten wir von unserem Hotelzimmer Besitz ergriffen, duschten wir, zogen uns um und machten uns auf den Weg ins Restaurant zum Frühstück.
„Sven hat mich zum Vollmondfest eingeladen“, teilte mir Lydia mit. „Ich soll ihn auf seiner Lyra mit Gesang begleiten. Ich weiß nicht, ob meine Stimme dafür ausreicht.“
Sie streichelte über meine Hand, als müsse sie mich beruhigen. „Ich werde außerdem mit Arne und Björn den Vollmondtanz einstudieren, zu dritt.“ Sie hielt einen Augenblick inne. „Und wohl oder übel im Swinger-Club übernachten. Denn die Fahrt dorthin ist weit. Hin und zurück an einem Tag schafft man nicht.“
Ich nickte und erzählte ihr, dass mich Ruth zu einem Hausbesuch eingeladen hat, um sie für die Gäste des Vollmondfestes herzurichten. „Allerdings …“, ich zögerte, „… du hast recht. Die weite Anfahrt. Ohne Übernachtung geht es auch bei mir nicht.“
Wir blickten uns lange an. „Lass uns doch gemeinsam dorthin fahren“, meinte ich. Lydia nickte. „Und auch zurück. Es gibt bestimmt viel zu erzählen.“
Sie ergriff meine Hand. „Aber danach gehören wir uns wieder ganz allein. Ich will dich nicht verlieren!“

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